Molekulare Epidemiologie: Die Ausbreitung der Tuberkulose mit neuesten Techniken verfolgen

In Deutschland sind bisher keine vollständigen und verlässlichen Daten über die Ausbreitung von multiresistenten Tuberkulose-Stämmen verfügbar. Mit den aktuellen und zukünftigen Flüchtlingsströmen werden diese Daten wichtiger denn je. Molekulare epidemiologische Studien sollen die Verbreitung der TB dokumentieren und möglichst frühzeitig neue, unter Umständen gefährliche TB-Stämme lokalisieren. Dabei kommen neueste Techniken der DNA-Sequenzierung zur Analyse des bakteriellen Genoms zum Einsatz. Die Sequenzdaten werden mit den klassischen epidemiologischen Daten, die vom Robert-Koch-Institut erhoben werden, zusammengeführt bzw. in die Datenbank für übertragbare Krankheiten der Europäischen Staaten TESSy (The European Surveillance System) überführt. In der DZIF-Studie werden epidemiologische Daten und die für die DNA-Sequenzierung notwendigen Sputum-Proben an drei Standorten gesammelt: in Hannover, Hamburg und Frankfurt. Die Forscher hoffen so, ein Bild von der Ausbreitung resistenter Stämme in Deutschland zeichnen zu können.

Hohe Erkrankungsraten in Afrika

Über 95 Prozent aller TB-Erkrankungen werden jedoch heute in Entwicklungsländern registriert. Die höchste Rate der Neuerkrankungen wird dabei in den Ländern südlich der Sahara erreicht. Gemeinsam mit den afrikanischen Partner-Institutionen des DZIF laufen viele epidemiologische Studien daher in Afrika und erfahren Unterstützung durch weitere internationale Netzwerke wie CANTAM, PANACEA und TB Sequel.

Daten zusammenführen und alle Tuberkulosestämme abbilden

Ziel der Forscher ist es, langfristig molekular-epidemiologische Daten über Tuberkulose-Bakterien zu erhalten.  Die entstehende Datenbank soll möglichst breit alle nachgewiesenen Tuberkulose-Stämme abbilden und einen schnellen Abgleich mit anderen Datenbanken ermöglichen. Rund 7000 Stämme konnten seit März 2015 im DZIF sequenziert werden.
Ansprechpartner: Stefan Niemann, Forschungszentrum Borstel