Ein neues Mausmodell für die Medikamentensuche

Am Forschungszentrum Borstel wurde ein Mausmodell entwickelt, in dem die Tuberkulose-Infektion besser als bisher simuliert werden kann. Unter anderem werden Zellläsionen – sog. Granulome – verursacht, die denen in der menschlichen Lunge ähneln. Kombiniert mit einer bildgebenden Methode können neue Substanzen in ihrer Wirksamkeit gegen Tuberkulose-Bakterien effizient getestet werden.  Mit diesem präklinischen Ansatz wollen die Wissenschaftler die Entdeckung neuer Medikamente beschleunigen und die Dosisfindung verbessern. 3000 natürliche Wirkstoffe mit anti-Tuberkulose-Wirkung in vitro stehen für weitere Untersuchungen zur Verfügung. Über eine Zusammenarbeit mit PanACEA, ein europäisch-afrikanisches Konsortium, können vielversprechende Medikamente in der Folge schneller in klinische Studien einmünden und Patienten weltweit zugutekommen.

Validierung und Anwendung
Das neu entwickelte Mausmodell wird zunächst validiert, indem die Ergebnisse bei Standard-Therapien mit denen aus klinischen Daten am Menschen verglichen werden. Das Modell wird voraussichtlich verlässlicher sein als herkömmliche Mausmodelle. Riskante oder nicht sehr aussichtsreiche Wirkstoffkandidaten könnten frühzeitig erkannt und damit eine teure klinische Entwicklung rechtzeitig gestoppt werden. Die Wissenschaftler wollen das Modell außerdem nutzen, um Wirkstoffe zu finden, die nicht zu Resistenzen führen. Kombiniert mit bildgebenden massenspektrometrischen Verfahren bietet das Modell darüber hinaus die Möglichkeit, die beste Dosis für Behandlungsformen zu erkennen. Ebenfalls über die bildgebenden Verfahren wollen die Wissenschaftler mit einem speziell entwickelten Assay die Vitalität der Bakterienzellen in vivo beobachten.
Ansprechpartner
: Christoph Hölscher, FZ Borstel; Michael Hölscher, Universität München; Norbert Heinrich, Universität München


Von der Maus zum Menschen
Nach Validierung könnte das neue Mausmodell bisherige, mit Unwägbarkeiten verbundene präklinische Modelle ersetzen. Neu gefundene Wirkstoffe, aber auch die bereits vorhandenen neuen Wirkstoffe (BTZ043, Q203, GSK´147, Bedaquiline und Delamanid) sollen dann sowohl einzeln als auch in Kombination getestet werden und anschließend in die klinische Prüfung am Menschen gehen.
Ansprechpartner
: Michael Hölscher, Universität München; Norbert Heinrich, Universität München; Christoph Hölscher, FZ Borstel