17 Januar 2017 - PRESSEMITTEILUNG

Erfolgreiche Antikörperstudie bei HIV-Infektion

Seit kurzem werden sogenannte breit-neutralisierende Antikörper bei Patienten mit einer HIV-Infektion experimentell eingesetzt. Das Forscherteam um Prof. Dr. Florian Klein, Uniklinik Köln und Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), hat einen neuen HIV neutralisierenden Antikörper nun erstmals im Menschen untersucht. Die Studie, die in enger Kooperation mit der Rockefeller University in New York durchgeführt wurde, ist jüngst in dem renommierten Wissenschaftsmagazin Nature Medicine veröffentlicht worden.

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Enge Kooperation am Standort Köln zwischen dem Labor für Experimentelle Immunologie (Prof. F. Klein rechts im Bild), klinische Infektiologie (Prof. F. Fätkenheuer), Infektionsambulanz (PD Dr. C. Lehmann) und externen Partnern.© Uniklinik Köln

Bei vielen Infektionskrankheiten gelingt es dem Körper problemlos, mit Hilfe von Antikörpern die ursächlichen Erreger zu zerstören und so eine Heilung herbeizuführen. Bei HIV ist das anders. Zum einen befällt und schädigt HIV wichtige Zellen des Immunsystems, zum anderen ist HIV extrem wandelbar und kann so immer wieder der Immunantwort entweichen. In den vergangenen Jahren wurde eine neue Generation an sogenannten breit-neutralisierenden Antikörpern identifiziert. „Diese Antikörper können eine große Anzahl an unterschiedlichen HI-Viren effektiv neutralisieren und sind daher von besonderer Bedeutung bei der Suche und Entwicklung eines HIV-Impfstoffs“, erklärt Prof. Klein. Zudem untersucht die Arbeitsgruppe von Prof. Klein in enger Kooperation mit der Klinischen Infektiologie der Uniklinik Köln (Leitung: Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer) und Wissenschaftlern der Rockefeller University in New York, ob und wie breit-neutralisierende Antikörper zur Therapie der HIV-Erkrankung eingesetzt werden können.

Die jetzt veröffentlichte Studie untersucht diesen Ansatz. Der breit-neutralisierende anti-HIV-Antikörper mit der Bezeichnung „10-1074“ erkennt eine spezifische Struktur (V3 loop) auf dem Hüllprotein von HIV und wurde erstmalig in gesunden Probanden und in Patienten mit einer HIV-Infektion untersucht. In der Phase-I-Studie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Antikörper gut vertragen wurde und günstige pharmakokinetische Eigenschaften aufweist. Zudem zeigte der Antikörper in HIV-infizierten Teilnehmern eine hohe antivirale Aktivität, die zu einer Absenkung der Viruslast im Blut führte. Darüber hinaus konnte das Team die Entwicklung von resistenten HIV-Varianten genau untersuchen. „Die sehr umfangreichen genetischen Sequenzanalysen des HI-Virus erlauben es uns darzustellen, mit welcher Dynamik und welchen Mechanismen HIV auf den Antikörper reagiert“, so Dr. Henning Gruell, einer der Erstautoren der aktuellen Arbeit.

„Die sehr aufwändige Studie war nur möglich durch die intensive Kooperation mit der Rockefeller University und vielen weiteren klinischen und wissenschaftlichen Partnern“, so Prof. Klein, Studienleiter in Deutschland und Co-Letztautor der Studie.

Der große Aufwand dieser klinischen Untersuchungen ist allerdings berechtigt. „Diese Studien erlauben uns, die Erkenntnisse unserer Forschung in optimaler Weise wieder zum Patienten zu bringen“, so Prof. Klein. „Nur dadurch sind wir in der Lage, erste klinische Ergebnisse zu erhalten und zu verstehen, wie Antikörper zu einer verbesserten Abwehr und Therapie von Infektionskrankheiten eingesetzt werden können.“    

Die Wissenschaftler planen weitere Studien, die einen Antikörper-vermittelten Therapieansatz in HIV-infizierten Patienten untersuchen sollen. Bereits im Frühjahr ist der Start weiterer Studien geplant.

Publikation

Caskey, Schoofs, and Gruell et al.
Antibody 10-1074 suppresses viremia in HIV-1-infected individuals
Nature Medicine (2017) doi: 10.1038/nm.4268

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. med. Florian KleinUniklinik Köln und DZIF-Schwerpunkt „HIV“Labor für Experimentelle ImmunologieKlinik I für Innere Medizin, Zentrum für Molekulare MedizinRobert-Koch-Str. 21, Gebäude 66, 50931 KölnT +49 221 478 89693
E-Mail

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Pressestelle des DZIF
Janna Schmidt und Karola Neubert
T +49 531 6181 1170/1154
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