Coronavirus
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Das DZIF fokussiert seine Forschung auf SARS-CoV-2

Aktuelle Informationen

Letzte Änderung: 24.08.2020 - Direktlink zur neuesten Meldung

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) schnüren Wissenschaftler und Ärzte mit Hochdruck ein Forschungspaket, das ehrgeizige Ziele verfolgt. Neue Testmethoden zur Diagnose, antivirale Medikamente und ein Impfstoff gegen das neue SARS-Coronavirus stehen auf der Agenda und werden in FastTrack-Verfahren mit zusätzlichen Mitteln ausgestattet. Gemeinsam mit den anderen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung werden Forschungsprojekte auf den Weg gebracht und klinische Studien koordiniert.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir im DZIF mit unseren Forschungsarbeiten einen bedeutenden Beitrag im Kampf gegen das Virus leisten können.“
Stephan Becker
Prof. Stephan Becker
DZIF-Koordinator "Emerging Infections"

Impfstoffentwicklung

DZIF-Wissenschaftler in München, Marburg, Hamburg und Langen entwickeln einen Vektorimpfstoff, der die genetische Information für ein Oberflächenprotein des SARS-CoV-2 in einen Vektor einbaut. Zwei Vektoren sind parallel in der Entwicklung: ein modifiziertes und damit harmloses Pockenvirus (MVA) und das Masernvirus.

Prof. Gerd Sutter

Gerd Sutter, LMU München, berichtet über die Impfstoffentwicklung

© LMU München

Forschungsstand: Der MVA-Vektorimpfstoff wird derzeit für die klinische Testphase produziert. 1.000 Einzelimpfdosen für die klinische Prüfung konnten von der IDT Biologika bereits abgefüllt werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die klinischen Versuche – am Menschen – im September beginnen können. In dieser Phase I stehen die Tests auf Verträglichkeit und Anregung von Immunantworten an. Für die weitere Entwicklung arbeiten die Wissenschaftler mit den Firmen IDT Biologika (Dessau) und beim Masernimpfstoff mit CanVirex (Basel) zusammen.

Aktuelle Pressemitteilung

Weitere Informationen und FAQs

Wie genau funktioniert eigentlich die Impfstoffentwicklung im DZIF und was passiert in den klinischen Phasen? Marylyn Addo und Till Koch geben Antworten. Beide arbeiten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und bereiten für das DZIF eine klinische Studie zum MVA Vektor-Impfstoff vor. Das Gespräch kann unter dem Titel „Die Jagd auf den SARS-CoV-2-Impfstoff“ in voller Länge nachgehört werden in der Reihe „Hörsaal“ auf Deutschlandfunk Nova. Grundlage für den Radiobeitrag ist Till Kochs Podcast „infektiopod.de“, der für Deutschlandfunk Nova zwei Podcast-Specials zum Thema Impfstoffentwicklung produziert hat. Wir stellen für Sie hier einen Ausschnitt aus dem Gespräch zur Verfügung:

Medikamente für den Ernstfall

Schneller als ein neuer Impfstoff könnte die Entwicklung von antiviralen Medikamenten gehen. Die In-vitro-Assays und Tiermodelle, die die Wissenschaftler im Rahmen der Impfstoffentwicklung aufbauen, dienen auch als Grundlage für das Testen von antiviralen Substanzen. Insbesondere Wirkstoffe, die bereits für andere Indikationen zugelassen sind, sind Hoffnungsträger für zeitnahe Einsätze. Das DZIF ist an verschiedenen Wirkstoffentwicklungen beteiligt:

Hemmstoff der Hauptprotease SARS-CoV-2 wird entwickelt

Die Forschungsgruppe von Prof. Rolf Hilgenfeld an der Universität zu Lübeck und im DZIF hat ein Schlüsselenzym der Virusreplikation aufgeklärt und entwickelt nun einen ersten Hemmstoff namens RHCDS-13b zum Medikament weiter.

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Hemmstoff der zellulären Protease TMPRSS2

Infektionsforscher vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen haben zusammen mit DZIF-Wissenschaftlern von der Charité – Universitätsmedizin Berlin erkannt, dass das Enzym TMPRSS2 für den Eintritt der Viren in die Zellen verantwortlich ist. Sie testen nun einen Hemmstoff dieses Enzyms, der bereits als Medikament für eine andere Indikation zugelassen ist. Camostat Mesilate wird nun in klinischen Studien getestet.

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Antikörper zum Schutz und zur Behandlung

Die DZIF-Forschungsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Florian Klein am Institut für Virologie der Uniklinik Köln konnte hochpotente neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 isolieren. Diese sollen zum Schutz und zur Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen eingesetzt werden. Die Antikörper werden aktuell zusammen mit Boehringer Ingelheim weiter charakterisiert und entwickelt und sollen nach Möglichkeit noch in diesem Jahr in klinischen Studien untersucht werden.

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Forscher setzen auf bereits zugelassene Medikamente

MHH-Professor und DZIF-Wissenschaftler Thomas Pietschmann leitet in Deutschland stattfindende Forschungsarbeiten eines internationalen Konsortiums. Bereits zugelassene Medikamente werden mithilfe der Substanz-Repurposing-Bank „ReFrame“ auf ihre Wirksamkeit gegen COVID-19 geprüft, um zeitnah Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen.

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Klinische Studien

Studienregister zu SARS-CoV-2 und COVID-19

Eine laufend aktualisierte Übersicht aller klinischen Studien im DZIF - auch zu SARS-CoV-2/COVID-19 - bietet das Healex Studienmanagementsystem (SMS). Das Studienregister wurde aktuell um die Kategorie „COVID-19“ erweitert. Hier werden erstmals nicht ausschließlich DZIF-Studienaktivitäten dargestellt. Um in der aktuellen Pandemielage einen umfassenden Überblick zu den in Deutschland geplanten und bereits aktiven COVID-19 Studien bereitstellen zu können, kooperieren die Klinischen Studienzentren mit Forschern aus unterschiedlichen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung und weiteren Netzwerken.

Zur Übersicht laufender klinischer Studien

LöwenKIDS für COVID-19-Studie

Über Kinder und ihre Anfälligkeit für das neue Coronavirus ist aktuell wenig bekannt. Wie viele Kinder haben sich bereits mit dem Virus angesteckt und es ganz ohne merkliche Symptome hinter sich gebracht? Das wollen Wissenschaftler nun in einem DZIF-Projekt mit Hilfe von 500 LöwenKIDS herausfinden.

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LEOSS – ein europäisches Fallregister

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Das DZIF hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) ein europäisches Fallregister aufgelegt, in dem klinische Daten für Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2 Infektion gesammelt werden. Das neue Register zeichnet sich dadurch aus, dass alle gesammelten Daten zur gemeinsamen Analyse an die wissenschaftliche Gemeinschaft gehen. LEOSS ist mehrsprachig und soll in der ganzen EU zum Einsatz kommen. Bis Mitte Mai konnten bereits 2000 Patientendaten verzeichnet werden.

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Die Plattform „LEOSS.sero-suvey“ – Aufschluss über Immunität in der Bevölkerung gewinnen

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Dem Beispiel des LEOSS-Patientenregisters folgend, das seit März 2020 europaweit klinische Daten von COVID-19-Patientinnen und -Patienten sammelt und auswertet, baut das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung die Plattform „LEOSS.sero-survey“ auf. Verschiedene Antikörperstudien über die Immunität oder Seroprävalenz in der Bevölkerung sollen zeitnah verglichen und übergreifend ausgewertet werden können. Das Projekt wird von Wissenschaftlern am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) geleitet und in Kooperation mit der Helmholtz-Plattform HIFIS umgesetzt.

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WHO Solidarity Trial

In Deutschland übernimmt das DZIF gemeinsam mit dem DZL die Aufgabe, den Solidarity Trial der Weltgesundheitsorganisation zu koordinieren. In diesem Mega-Trial werden vier bekannte Wirkstoffe oder Wirkstoff-Kombinationen an Tausenden von Patienten klinisch getestet. Es handelt sich um Medikamente, die bereits für Krankheiten wie beispielsweise HIV oder Malaria zugelassen sind und in einzelnen Heilversuchen Wirkung gezeigt haben.

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Diagnose: Schnell und sicher testen

Der erste Test gegen SARS-CoV-2 wurde von DZIF-Wissenschaftlern an der Charité – Universitätsmedizin Berlin kurz nach dem Ausbruch in China im Januar 2020 entwickelt. Prof. Christian Drosten und seinem Team gelang es, auf Grundlage der genetischen Information des Virus einen Test auf Basis der PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion) zu entwickeln, der derzeit weltweit eingesetzt wird. Nun geht es darum, die Testmethoden zu verfeinern und neue Tests zu entwickeln und zu validieren, mit denen auch die Immunantwort im Körper des Menschen bestimmt werden kann. „Nur wenn wir wissen, was im Körper eines Patienten passiert, wird eine Impfstoffentwicklung möglich“, erklärt Drosten.

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Internationale Zusammenarbeit

Neue Koalition für ärmere Länder

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Wissenschaftler, Ärzte, Geldgeber und Politiker aus über 30 Ländern und von über 70 Institutionen haben eine internationale Koalition gebildet, um auf COVID-19 in Entwicklungs- und Schwellenländern zu reagieren. Das DZIF hat sich der Koalition als erste Organisation in Deutschland angeschlossen. Dieser Zusammenschluss - COVID-19 Clinical Research Coalition - hat sich zum Ziel gesetzt, die dringend notwendige COVID-19-Forschung in den ressourcenarmen Regionen der Welt zu beschleunigen.

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Interessante Links zum Thema

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Bundesministerium für Gesundheit

BMBF-Informationsportal zum Coronavirus

DZIF-Wissenschaftler Christian Drosten und Sandra Ciesek informieren regelmäßig im NDR Podcast "Coronavirus-Update"