Projekt

Auswertung von Routinedaten aus Testeinrichtungen für Männer, die Sex mit Männern haben

Kurzbeschreibung

In Deutschland werden Daten zu Tests auf sexuell übertragbare Infektionen (STI) routinemäßig auch außerhalb medizinischer Einrichtungen erhoben, z. B. in Gesundheitsämtern und MSM-/AIDS-Hilfe-Checkpoints. Dort werden Daten zu soziodemographischen Charakteristika, Infektionsrisiken und der Testvorgeschichte erhoben – bisher sind sie nur wenig vereinheitlicht. Jede Einrichtung arbeitet mit eigenen Fragebögen, Dokumentations- und Auswertungsstrategien. Ziel dieses Projekts ist, die bundesweit erhobenen Daten der Testeinrichtungen für MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) und der AIDS-Hilfen zu vereinheitlichen. Dies erfolgt durch Verwendung eines abgestimmten Kerndatensatzes sowie durch Entwicklung eines webbasierten Erhebungs- und Dokumentationssystems.

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HIV-Testdaten und seit einiger Zeit auch vermehrt Daten zu Tests auf sexuell übertragbare Infektionen (STI) werden in Deutschland seit vielen Jahren routinemäßig auch außerhalb von Arztpraxen und Krankenhäusern erhoben. Dies geschieht z. B. in Gesundheitsämtern und seit einigen Jahren verstärkt in Einrichtungen, die „Szene-nah“ HIV-, Hepatitis- und STI-Tests für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen anbieten. Dazu gehören beispielsweise Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) oder Menschen, die intravenös Drogen gebrauchen. Die dort routinemäßig erhobenen Daten zu sozio-demographischen Charakteristika, Infektionsrisiken und zur Testvorgeschichte waren bisher nur wenig vereinheitlicht – jede Einrichtung arbeitete mit eigenen Fragebögen, Dokumentations- und Auswertungsstrategien.  Diese Daten enthalten wertvolle Informationen zum erreichten Klientel, zu Übertragungsrisiken und deren Veränderung sowie zur Prävalenz von HIV und STI in verschiedenen Gruppen von Klienten. Leider konnten die unterschiedlich erhobenen Datern bisher gar nicht oder nur lokal genutzt werden.

Folgende Ziele dieses Projektes konnten bisher erreicht werden:

  • Die Vereinheitlichung der in Testeinrichtungen für MSM bzw. der AIDS-Hilfen bundesweit erhobenen Daten. Ein unter allen beteiligten Einrichtungen abgestimmter Kerndatensatz wird für alle gleichartig erfragt und dokumentiert. Derzeit beteiligen sich bundesweit 27 Teststellen.
  • Die auf einheitliche Weise anonym erhobenen Daten werden – zunächst als Papierfragebögen – an das RKI übermittelt, dort in eine Datenbank eingelesen und damit auswertbar gemacht.
  • die Umstellung der papierbasierten Erfassung auf eine webbasierte elektronische Datenerhebung per Tablet erfolgte Anfang 2018.

Das Projekt trägt dazu bei, das Klientel der Testeinrichtungen besser zu charakterisieren und daraufhin zu überprüfen, ob diejenigen, die durch die Angebote erreicht werden sollen, auch tatsächlich erreicht wurden. Durch die longitudinale Erfassung und wiederholte Auswertung der Daten können Veränderungen, z. B. des Klientels und/oder des Verhaltens und der Infektionsprävalenz erkannt werden. Dies ermöglicht eine zeitnahe Überprüfung und Anpassung der Angebote. Außerdem kann durch die Verknüpfbarkeit von Infektions- und Verhaltensdaten den Klienten anschaulicher vermittelt werden, welche Risiken mit ihrem Verhalten verbunden sind. Durch die Möglichkeit einer vollelektronischen Datenerfassung und Auswertung wird auch die Infrastruktur geschaffen, um in Zukunft Studien und Untersuchungen zu spezifischeren Fragestellungen im Besucherklientel der Einrichtungen ohne unverhältnismäßig hohen Aufwand durchzuführen.

Die Erkenntnisse aus den Auswertungen zu Faktoren, die mit reaktiven HIV-Testergebnissen assoziiert sind, sollen dazu dienen, gezielt Klienten zur Teilnahme an der geplanten HIV-Inzidenzstudie zur Vorbereitung einer HIV-Impfstoffstudie zu motivieren und an die Studienzentren weiterzuvermitteln.