Projekt

Neue Diagnostik für ein verbessertes Tuberkulose-Screening bei Geflüchteten: Evaluation

Kurzbeschreibung

Die Tuberkulose (TB) ist die Infektionskrankheit, die weltweit die meisten Todesfälle verursacht. Vor allem führen Probleme in der Diagnostik dazu, dass die Tuberkulose nur schwierig bekämpft oder eingedämmt werden kann. Dass die Diagnosestellung sehr aufwändig ist, zeigte sich auch bei Aufnahmeuntersuchungen von Geflüchteten, bei denen die Tuberkulose häufiger vorkommt als in der deutschen Bevölkerung. Sie können erst in Gemeinschaftsunterkünfte aufgenommen werden, wenn eine Tuberkulose zuverlässig ausgeschlossen wurde.
Im Rahmen des sogenannten RefuScreen-TB-Projektes des DZIF, durchgeführt durch das Tropeninstitut des Klinikums der LMU in Zusammenarbeit mit infektiologischen Kollegen in München, werden verschiedene neue Tests und Test-Algorithmen zur TB-Diagnose beurteilt. Ziel ist es, sowohl neue Diagnostika zu identifizieren, als auch neue Teststrategien für Deutschland und andere Settings mit Massenuntersuchungen zu finden. Das Ergebnis wären praktikablere Ansätze für künftige Screening-Untersuchungen.

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Laut der WHO gehört die Tuberkulose weiterhin zu einer der tödlichsten Krankheiten. Weltweit erkranken mehr als 10 Millionen Menschen jährlich. Eine der größten Hürden bei der Bekämpfung dieser Epidemie ist die Schwierigkeit, eine verlässliche Diagnose zu stellen. Die gängigen Verfahren sind mehr als 100 Jahre alt, benötigen eine aufwändige Infrastruktur und sind oft nicht ausreichend verlässlich, sodass ein dringender Bedarf an neuen Diagnostika besteht. Insbesondere bei krankheitsanfälligen Patienten wie Kindern oder im Rahmen von Massenuntersuchungen ist es schwierig, eine TB-Infektion von anderen Krankheiten zu unterscheiden oder überhaupt zu identifizieren.

Im Rahmen der jüngsten Flüchtlingskrise kam es auch in Deutschland zu einem deutlichen Anstieg an gemeldeten Tuberkulosefällen. Die Zahl der Verdachtsfälle war hierbei immens, da die bisherigen Strategien zu vielen falsch-positiven Ergebnissen führten, sodass die notwendigen Abklärungen die betroffenen infektiologischen Kliniken stark belasteten. Bessere und schnellere Screening- und Diagnostiktests sind daher dringend notwendig.

Eine verlässliche Diagnose der Auswertung ist aufwändig. Doktorand Mohamed Ahmed bei der Auswertung eines Tests. 

© DZIF/scienceRELATIONS

Die RefuScreen-TB-Studie des DZIF hat die Beurteilung von neuen Testverfahren zum Ziel, die diese Lücke schließen können. Eines dieser neuen Verfahren wurde von PD Dr. Christof Geldmacher am Tropeninstitut des Klinikums der LMU entwickelt, wo die Studie auch geleitet wird. Patienten werden durch die infektiologischen Kollegen in vier Münchener Kliniken rekrutiert: in der Asklepios Fachklinik München – Gauting, dem Städtischen Krankenhaus München – Schwabing, der Kinder- und Kinderpoliklinik im Dr. von Hauner‘ schen Kinderspital und der TUM Kinderklinik München – Schwabing. Die Probenanalyse wird im medizinischen Forschungslabor IML red Gauting in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für molekulare Mykobakteriologie des Forschungszentrums Borstel durchgeführt. Studienstart war im Juli 2017. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren nehmen erwachsene Patienten und Kinder mit dem Verdacht auf eine Tuberkulose an der Studie teil. Bei ihnen können verschiedene neue Tests zur Detektion der Tuberkulose untersucht werden. Verdachtsfälle auf Tuberkulose traten zum Großteil bei Geflüchteten auf, die entweder Auffälligkeiten bei der Eingangsuntersuchung zeigten oder im Verlauf von einigen Monaten TB-typische Symptome entwickelten. Insgesamt sollen etwa 300 Erwachsene und 50 Kinder teilnehmen.

Bisher konnten über 120 Teilnehmer gewonnen werden, darunter 20 Kinder. Einige der neuen Tests werden während der Studie, andere nach deren Abschluss durchgeführt. Die ersten Ergebnisse sehen vielversprechend aus, sodass ein neues Diagnostikum derzeit gemeinsam mit einem industriellen Partner zu einem Test-Kit weiterentwickelt wird.

Die Ergebnisse werden nicht nur dazu beitragen können, dass neue Testverfahren weiter evaluiert, sondern insbesondere auch neue Teststrategien im Sinne von Algorithmen identifiziert werden. Dies wird nicht nur in Deutschland zu einer deutlichen Verbesserung der jetzigen Situation führen können, sondern auch für andere Settings von großer Bedeutung sein.