Karriere und Kinder unter einen Hut gebracht

© DZIF/Foto: Uwe Dettmar

Sie ist Ärztin und Wissenschaftlerin und verkörpert wie kaum eine andere den Prototyp des „Clinician Scientist“. Seit einem Jahr leitet Maria J.G.T. Vehreschild die Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt, im DZIF koordiniert sie den Forschungsbereich zu Krankenhausinfektionen und multiresistenten Bakterien. Mit nur 39 Jahren hat die Mutter von zwei kleinen Kindern eine beeindruckende Karriere vorzuweisen.

„Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich als Frau in der Medizin doppelt so hart arbeiten muss, um meine Ziele zu erreichen“, erklärt Maria Vehreschild. „So hatte mein Vater es mir geraten und das hat wohl meinen Weg geprägt.“ Lächelnd fügt sie hinzu: „Charme hilft möglicherweise auch, aber letztlich müssen die Inhalte stimmen.“ Maria Vehreschild hat sich der Infektiologie verschrieben und ein Thema beschäftigt sie derzeit besonders: Die Prävention und Therapie von Infektionen, die durch multiresistente Bakterien verursacht werden.

Ihr Weg hatte einige Abzweigungen und Stationen. Dass sie gern reist, zeigen die riesigen Landkarten an der Wand des neu gestrichenen Büros in Frankfurt. Südamerika und Afrika hängen dort, eine Asien-Karte ist bestellt.  „Die Krankheiten, die wir hier behandeln, kommen aus aller Welt zu uns, daher passen die Karten gut.“

In Hamburg aufgewachsen, zog es sie zum Studium in die Welt hinaus. Menschen zu helfen, war immer ihr Ziel, und so begann sie mit einem Psychologiestudium in New York. Nach kurzer Zeit wechselte sie jedoch in die Humanmedizin, da sie für sich dort mehr Möglichkeiten sah. Es folgte das Medizinstudium in Berlin mit langen Aufenthalten in Frankreich und Brasilien. Nach dem Staatsexamen schloss sie ihre Promotion an der TU München ab. Ihre erste Stelle trat sie in Köln an, wo sie ihre Facharztausbildungen durchlief.

„Ich bin ein Workaholic“, gibt Maria Vehreschild zu. „Aber mit den Kindern habe ich mich zum Glück ein wenig ändern müssen“, erzählt sie. Dass sie trotzdem ihren Weg unbeirrt fortsetzte, habe auch mit dem DZIF zu tun. „Zwei Maternity-Leave-Stipendien haben es mir ermöglicht, nach der Geburt wieder einzusteigen. Als Ärztin und als Wissenschaftlerin. Das war ganz entscheidend und ein Schutzschild in diesen vulnerablen Phasen.“ Entscheidend aber sicher auch, dass der Vater der Kinder mitgezogen hat. Der Arzt und Wissenschaftler Jörg Janne Vehreschild, ebenfalls im DZIF engagiert, ist nun mit einer geteilten Position in Frankfurt und Köln tätig. Dual Career –  die beiden zeigen, dass es funktionieren kann.

Über die Stipendien hinaus sieht Maria Vehreschild die Bedeutung des DZIF vor allem in der Idee der Vernetzung. „Ich habe viele Kooperationspartner über das DZIF gefunden“, berichtet sie. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Ärzten arbeitet sie nun daran, die Folgen der Ausbreitung von multiresistenten Bakterien einzudämmen. „Mich interessiert vor allem, wie der Mensch verhindern kann, dass gefährliche Keime eine Infektion auslösen“, erklärt sie. Das Schlüsselwort heißt Mikrobiota – die Vielzahl an Mikroorganismen im Darm, in Lunge und Harnwegen des Menschen und ihr Einfluss auf die Pathogene. „Es geht darum, die pathogenen Bakterien durch andere Bakterien zu verdrängen, bzw. ihnen gar nicht erst einen Lebensraum einzuräumen.“ Denn die Kolonisation mit einem multiresistenten Keim muss nicht zwangsläufig zur Infektion führen.

Einen ersten großen Schritt hat die Wissenschaftlerin bereits getan. Mit der Übertragung von Bakterien aus Stuhl gesunder Spender, einem sog. Mikrobiota-Transfer, behandelt sie Patienten, die aufgrund von Clostridium difficile an schweren Durchfällen leiden, erfolgreich. Rückfälle lassen sich vermeiden. „Diese Sekundärprävention zeigt bereits, dass das Konzept grundsätzlich funktionieren kann“, ist sich Vehreschild sicher. In Köln konnte sie in den letzten Jahren den Aufbau einer sog. GMP-Facility organisieren: ein Labor, in dem Bakterien-basierte Präparate sicher hergestellt werden können. „Sobald diese Einrichtung fertig ist, können wir gezielt klinische Studien mit diesen Präparaten durchführen.“

„Wir müssen alternative Wege aus dem Problem der immer häufiger auftretenden Multiresistenzen finden“, ist sich Maria Vehreschild sicher. Die Suche nach neuen Antibiotika sei nur ein Weg. Neben der verbesserten Hygiene in Krankenhäusern und der intelligenten Verschreibung von Antibiotika – Antibiotic Stewardship – zählt für sie die Forschung zum Mikrobiom zu den wichtigsten Alternativen. Bei rund 100 Billionen Bakterien in Darm, Lunge, Harnwegen und der Haut des Menschen ist das Forschungsgebiet ein ehrgeiziges Unterfangen. Doch das schreckt sie nicht ab. Sie glaubt fest daran, über diese Forschungen einen Weg zu finden, die multiresistenten Bakterien zu zähmen. Ihr Ziel hat die junge Wissenschaftlerin und Ärztin klar vor Augen: „Ich will eine Mikrobiota-basierte Therapie entwickeln, die die Gesundheit des Menschen verbessert.“

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