Translation City Header

Porträt

Gemeinsam gegen Infektionen

Infektionskrankheiten wie AIDS, bakterielle Atemwegserkrankungen oder Tuberkulose zählen zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Ausgelöst werden sie durch unterschiedliche Erreger: Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten können durch direkten Kontakt, zum Beispiel durch Anhusten, oder durch indirekten Kontakt, etwa beim Verzehr verdorbener Lebensmittel, zu einer Ansteckung führen.

Resistenzen auf dem Vormarsch
Hygieneregeln zu beherzigen – und das fängt bei gründlichem Händewaschen an – und sich impfen zu lassen, zählen zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen vor vielen Infektionen. Doch man kann sich nicht vor allen Infektions­krankheiten auf diese Weise schützen. Hat sich ein Patient bereits infiziert, ist er auf eine geeignete Therapie angewiesen. Leider erschwert die zunehmende Anzahl an Erregern, die gegen herkömmliche Antibiotika und Virostatika resistent sind, in vielen Fällen die Behandlung. So enden bisher gut behandelbare Infektionskrankheiten heute im schlimmsten Fall tödlich. Laut einer kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ erschienenen Studie sterben allein in der Europäischen Union jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen an Infektionen mit Antibiotika-resistenten Keimen, circa 2.300 davon in Deutschland.


Die Weltgesundheitsorganisation WHO macht seit einigen Jahren die Öffentlichkeit verstärkt auf diese Problematik aufmerksam und hat 2017 eine Liste an kritischen Keimen definiert, gegen die mit höchster Priorität neue Antibiotika entwickelt werden müssen. DZIF-Experten vom Universitätsklinikum Tübingen haben zur Erstellung dieser Liste maßgeblich beigetragen.

Das DZIF: ein starker Kooperationspartner für die Industrie
Für die Pharmaindustrie ist die Entwicklung neuer Antibiotika in den meisten Fällen wirtschaftlich uninteressant, weil sie als Reserve-Präparate bei sehr schwer behandelbaren Patienten möglichst selten zum Einsatz kommen sollen, sprich: selten verschrieben werden. Dies führt dazu, dass die Entwicklungslücke bei Antibiotika stetig größer wird. Forschende Unternehmen sind auf Partner angewiesen, die die ökonomischen Risiken mit ihnen teilen und ihren wissenschaftlichen Beitrag leisten. Genau an dieser Stelle setzt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) an: Das DZIF hat sich in den letzten Jahren in Deutsch­land zu einem wichtigen Akteur in der Infektions­forschung und zu einem verlässlichen Kooperations­partner für die Biotechnologie- und Pharmaindustrie entwickelt.

 

Das Wohl der Patienten steht im Fokus
DZIF-Wissenschaftler führen ihre Projekte zu neuen Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten bis zu präklinischen und klinischen Studien, im Idealfall mit Unterstützung durch die Industrie auch bis zur Marktreife. Die Entwicklung medizinischer Innovationen zu beschleunigen, ist das Ziel des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Mehr als 500 Wissenschaftler, darunter Grundlagen­forscher im Labor, Epidemiologen und klinische Forscher arbeiten in Projekten eng zusammen. Gemeinsam setzen sie Forschungsergebnisse aus dem Labor schnell und zielgerichtet so um, dass sie mittel- oder langfristig Einzug in die klinische Praxis halten können. Diesen Prozess nennt man Translation. Dabei sind die Erfahrungen aus der Behandlung von Patienten, die an einer Infektion erkrankt sind, Motivation und Grundlage für die Arbeit der Forscher.


Das DZIF richtet seine Aktivitäten im Bereich der Infektionsforschung strategisch aus. Neun thematische Schwerpunkte bündeln Projekte, die sich jeweils einem Erreger, einer wichtigen Erkrankung oder einem gemeinsamen Thema innerhalb der Infektionsforschung widmen. Neben Krankenhauskeimen und Antibiotika-Resistenzen sowie neu auftretenden Infektions­krankheiten, die zu Epidemien führen können, stehen Tuberkulose, Hepatitis, HIV und Malaria genauso im Fokus der Forschung wie gastrointestinale Infektionen und Infektions­krankheiten bei immungeschwächten Patienten.

Den Nachwuchs fördern
Bisher gab es nur wenig Unterstützung für die Forschung an der Schnittstelle zwischen Labor und klinischer Infektiologie. Das DZIF schafft Anreize für junge Naturwissenschaftler, sich der Infektions­forschung zu widmen und vergibt Stipendien an Mediziner, um sich stärker in der Forschung engagieren zu können.


Internationale Zusammenarbeit
Dass Infektionsforscher international vernetzt denken und handeln sollten, wird durch stetig neu auftretende Krankheitserreger wie Zika-, Ebola- oder MERS-Viren deutlich: Erreger kennen keine Landesgrenzen. Mit Partner-Institutionen in Afrika und Europa arbeitet das DZIF schon von Beginn an zusammen. Mit dem französischen Institut INSERM (Institut national de la santé et de la recherche médicale) kooperiert das DZIF in der AIDS- und Hepatitis-Forschung. Außerdem ist das DZIF eine von neun Gründungs­organisationen der CARA-Initiative (Conscience of Antimicrobial Resistance Accountability) und engagiert sich in der Impfstoff-Initiative CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Inno­vations). Auch an der Etablierung des neuen „Global Antimicrobial Resistance Research and Development Hub“ mit Sitz in Berlin ist das DZIF beteiligt. Seit Anfang 2019 ist das DZIF außerdem einer von zehn Partnern im Accelerator-Netzwerk von CARB-X.CARB-X beschleunigt weltweit Projekte zur Entwicklung neuer Medikamente im Kampf gegen Antibiotika-resistente Keime.

Den Anstoß für die Gründung gab das Bildungsministerium
2012 ergriff das Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Initiative zur Gründung des DZIF. Insgesamt hat das Zentrum 35 universitäre und außeruniversitäre Mitgliedseinrichtungen an sieben Standorten. Die Finanzierung der DZIF-Projekte und Stipendien erfolgt zu 90 Prozent aus Bundesmitteln und zu 10 Prozent aus Mitteln der beteiligten Länder. Neben dem DZIF gibt es fünf, künftig sieben weitere Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung, um den sogenannten Volkskrankheiten entgegenzuwirken.