Gesundheitssystem-assoziierte Infektionen
Neue Strategien gegen die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen.
Antimikrobielle Resistenzen zählen weltweit zu den größten Herausforderungen für die moderne Medizin. Besonders problematisch sind bakterielle Erreger aus dem sogenannten ESKAPE-Spektrum, die häufig schwere und schwer behandelbare Infektionen verursachen. Dazu gehören unter anderem Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Extended-Spectrum-Beta-Lactamase-produzierende Enterobacterales (ESBL-Bildner), Carbapenemase-produzierende Enterobacterales (CPE), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), hypervirulente Klebsiella pneumoniae sowie Pseudomonas aeruginosa. Viele dieser Infektionen treten im Zusammenhang mit medizinischer Versorgung auf und entstehen während eines Aufenthalts in Gesundheitseinrichtungen.
Der Forschungsbereich „Gesundheitssystem-assoziierte Infektionen“ adressiert drei zentrale Herausforderungen im Bereich der Infektionsmedizin und antimikrobiellen Resistenzen:
- Zunehmende antimikrobielle Resistenzen und begrenzte Therapieoptionen
Die weltweite Zunahme resistenter Erreger erschwert die Behandlung von Infektionen erheblich. Gleichzeitig stehen zunehmend weniger wirksame Antibiotika zur Verfügung, sodass bestehende Therapien durch einen verantwortungsvollen Einsatz erhalten und durch neue Therapiestrategien ergänzt werden müssen.
- Verzögerte oder unzureichende Diagnostik
Konventionelle diagnostische Verfahren liefern häufig erst nach längerer Zeit Ergebnisse. Dies erschwert eine zielgerichtete Behandlung und begünstigt den Einsatz von Breitspektrumantibiotika.
- Unzureichendes Verständnis von Transmission und individuellen Risiken
Die Dynamik der Resistenzentwicklung und Übertragung zwischen Patient:innen, Einrichtungen und Sektoren ist nicht gut verstanden. Longitudinale und sektorenübergreifende Analysen integrierter klinischer und mikrobiologischer Daten sind notwendig, um Risikoprofile zu identifizieren und gezielte Präventionsstrategien auszurichten.
Zur Bewältigung der globalen Herausforderung antimikrobieller Resistenzen (AMR) konzentriert sich der Forschungsbereich „Gesundheitssystem-assoziierte Infektionen“ auf drei zentrale Forschungsbereiche.
Schwerpunkte
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Prävention und Therapie von Infektionen mit multiresistenten Bakterien
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Durch IT-basierte Prognosemodelle, hochauflösende diagnostische Verfahren und neuartige therapeutische Ansätze soll der Expansion multiresistenter Erreger Einhalt geboten werden.
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Optimierung von oder Alternativen zu Antibiotika-basierten Therapieansätzen
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Viele Pathogene, die in Kliniken zu problematischen Infektionen führen, bringt der Mensch bereits mit. DZIF-Forschende wollen Interventionsstrategien entwickeln, um diese Bakterien rechtzeitig zu eliminieren, bevor ein Mensch zum Risikopatienten wird.
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Surveillance multiresistenter Bakterien in Kliniken
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Mit Hilfe der Genomsequenzierung werden Mechanismen und Verbreitung resistenter Bakterienstämme in Kliniken untersucht, um die Resistenzentstehung und Infektionen mit multiresistenten Erregern zu verhindern.