Projekt

EVREA-Phage: Phagentherapie gegen Enterococcus faecium

Kurzbeschreibung

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit in besorgniserregender Häufigkeit zu. Neue Behandlungsoptionen werden dringend benötigt. Aufgrund ihrer Spezifität für bestimmte Bakterien stellen Phagen eine denkbare Alternative beziehungsweise Ergänzung zu Antibiotika dar. Die Spezifität der Phagen, aber auch die Tatsache, dass sie keine toxischen Nebenwirkungen haben, machen sie zu wichtigen Forschungsobjekten in der Biomedizin. In Deutschland ist ein kritischer Anstieg von Vancomycin-Resistenz für das Bakterium Enterococcus faecium zu beobachten. Das im Juli 2022 gestartete Projekt EVREA-Phage hat das Ziel, insbesondere immunsupprimierten Patientinnen und Patienten eine Phagentherapie zur intestinalen VRE-Reduktion zu ermöglichen. Immunsupprimierte Patientinnen und Patienten - insbesondere onkologische Patienten - sind häufig von intestinaler VRE-Besiedlung mit Domination und im Folgenden von Infektion durch VRE betroffen.

Ansprechpartner

Immunsupprimierte Patientinnen und Patienten weisen oft eine typische übermäßige Darmbesiedlung durch das Bakterium Enterococcus faecium auf. Bei einer übermäßigen Besiedlung kann der eigentlich harmlose "Darmbewohner" zum Beispiel bei der Verabreichung von Chemotherapeutika zu Darmzellschädigungen mit nachfolgender Blutstrominfektion führen.

Im Projekt EVREA-Phage (Eradikation intestinaler Vancomycin-resistenter Enterococcus faecium (VRE) mittels oraler Phagentherapie) werden aus einer großen Zahl und Vielfalt von Phagen, die sich spezifisch gegen das Bakterium Enterococcus faecium richten, über zahlreiche Tests einige wenige ausgesucht, die am effizientesten gegen diese Zielbakterien wirken. Nach intensiven präklinischen Untersuchungen in einem neuen In-vitro-Darmmodell am Universitätsklinikum Bonn und einem In-vivo-Mausmodell am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sollen selektierte Phagen letztlich zu einem effizienten Cocktail kombiniert werden. Dieser Cocktail soll ein möglichst breites Spektrum an klinischen Patientenstämmen von Enterococcus faecium abdecken und abtöten können. Die Isolierung neuer Phagen gegen ein umfangreiches Panel an Bakterien wird im Phagenlabor des Leibniz-Instituts DSMZ durchgeführt. Die klinischen Isolate stammen zum größten Teil aus den DZIF-Studien AEGON und R-Net.

Die Arbeitsgruppe "Phagen" im Forschungslabor des Leibniz-Institut DSMZ GmbH (von links nach rechts): Johannes Wittmann, Christine Rohde, Ana Filipa Moreira Martins, Anja Gatzemeier, Stephanie Peter, Clara Rolland und Bettina Henze.

Im Projekt EVREA-Phage arbeiten Johannes Wittmann, Christine Rohde, Ana Filipa Moreira Martins und Anja Gatzemeier in der DSMZ gemeinsam an einem Phagen-Cocktail gegen das Bakterium Enterococcus faecium.

 

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