Projekt

DeKox – Dekolonisierung des Darms mittels Klebsiella oxytoca

Kurzbeschreibung

Die weltweite zunehmende Verbreitung Antibiotika-resistenter Bakterien, insbesondere von Klebsiella pneumoniae und Escherichia coli, bedroht die öffentliche Gesundheit massiv, da klassische Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren. In vielen Fällen geht der eigentlichen Infektion eine asymptomatische Besiedlung mit den resistenten Bakterien im Darm voraus, welche im Falle von Immunschwäche über eine geschädigte Darmbarriere in den Blutstrom gelangen können und in der Folge schwere Infektionen auslösen können. Derzeit ist es allerdings nicht möglich, die Bakterien frühzeitig aus dem Darm zu entfernen, um eine solche Infektion gar nicht erst entstehen zu lassen. Neue Behandlungsoptionen und Präventionsmaßnahmen werden daher dringend benötigt. An dieser Stelle setzt das im September 2025 gestartete Projekt „DeKox“ an. Ziel von „DeKox“ ist die Entwicklung eines neuartigen Medikaments auf Basis lebender Bakterien, das die gefährlichen Bakterien der Art Klebsiella pneumoniae im Darm gezielt durch harmlose Vertreter der Art Klebsiella oxytoca austauschen kann, indem es um dieselben Nährstoffe im Darm konkurriert. In Zukunft sollen davon immunsupprimierte Patientinnen und Patienten profitieren, insbesondere onkologische Patientinnen und Patienten, die sehr häufig von intestinaler K. pneumoniae-Besiedlung mit Domination und im Folgenden von Infektion durch diese Bakterien betroffen sind.

Kontakt

Insbesondere hämatologisch-onkologische Patientinnen und Patienten sowie Patient:innen nach einer Stammzelltransplantation haben durch die Behandlung mit Breitbandantibiose und Chemotherapie ein gestörtes Darmmikrobiom. Dieses ist häufig auch mit Antibiotika-resistenten Erregern besiedelt. Diese an sich harmlose Besiedelung führt in diesen Patientengruppen häufig zu schwerwiegenden Infektionen, die oft tödlich verlaufen. Das eigentliche Reservoir im Darm kann derzeit allerdings nicht medikamentös bereinigt werden. 

Im Projekt „DeKox – Dekolonisierung des Darms mittels Klebsiella oxytoca“ soll nun eine neuartige Lösung für dieses Problem entwickelt werden. Die Idee: Eine Kapsel, gefüllt mit harmlosen Bakterien der Art Klebsiella oxytoca, wird oral eingenommen und verdrängt im Darm über Nahrungskonkurrenz das Bakterium Klebsiella pneumoniae. Dieser Mechanismus hat den Vorteil, dass er das umgebende Mikrobiom schont und sehr selektiv nur gegen K. pneumoniae wirkt, da das artverwandte Bakterium K. oxytoca dieselbe Nische im Darm besetzt.

Die Machbarkeit des Ansatzes wurde bereits in hochrangigen Publikationen in den Fachjournalen Cell Host and Microbe sowie Nature Microbiology belegt. Nach intensiven präklinischen Untersuchungen zur Sicherheit am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig in Zellkultur- und Mausmodellen soll aus einer großen Stammsammlung der sicherste und effizienteste Stamm isoliert werden. Daraus soll ein Arzneimittelprodukt hergestellt werden, das in Kooperation mit der ↗ Uniklinik Köln in einer klinischen Studie an Menschen getestet werden soll.

Artikel zum Projekt