Klinische Forschungseinheit für Mikrobiom-Wirt-Interaktionen
Die von Christoph Stein-Thöringer geleitete klinische Forschungseinheit (Clinical Research Unit, CRU) am Universitätsklinikum Tübingen vereint Expertise aus Klinik, Infektiologie, Mikrobiomforschung, Immunologie, Grundlagenwissenschaften und Epidemiologie. Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen arbeiten eng zusammen, um verschiedene Aspekte von Krankenhaus-assoziierten Infektionen zu untersuchen und Strategien zur personalisierten Prävention und Prädiktion schwerer Infektionen sowie zur Eindämmung antibiotikaresistenter Erreger zu entwickeln. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung von Mikrobiom-Wirt-Interaktionen bei hospitalisierten und kritisch kranken Patient:innen.
Die Arbeitsgruppe analysiert die Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms sowie mikrobielle Metabolite, Immunzell- und Zytokinprofile. Diese Daten werden mit klinischen Informationen verknüpft. Ziel ist es, Biomarker-Signaturen zu identifizieren, die das Risiko für eine Kolonisation mit multiresistenten Erregern (MDRO), Blutstrominfektionen und Sepsis vorhersagen. Die klinische Forschungseinheit für Mikrobiom-Wirt-Interaktionen (CRU) verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Konzeption und Durchführung multizentrischer klinischer Studien und fungiert als zentrale Studienplattform innerhalb des Forschungsbereichs Gesundheitssystem-assoziierte Infektionen des DZIF.
Aktuelle Studien
Anhand einer großen Kohorte von Patient:innen mit Blutstrominfektionen untersucht die CRU in der DZIF-Studie BLOOMY Langzeitverläufe, Risikofaktoren sowie Prognosemodelle zur Kurz- und Langzeitmortalität.
Im DZIF-Projekt TIARA analysiert die Arbeitsgruppe Veränderungen des Mikrobioms, Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen sowie Immunzellprofile, um prädiktive Marker für das Risiko einer Kolonisation mit multiresistenten Erregern sowie für Infektionskomplikationen nach komplexen chirurgischen Eingriffen zu identifizieren. Darüber hinaus unterstützt die CRU weitere klinische Studien im DZIF (z. B. SHIELD) und berät in Studiendesign und management.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Ernährung-Mikrobiom-Immun-Achse bei Patient:innen mit akuten Infektionen. Dabei analysiert die Arbeitsgruppe Zusammenhänge zwischen Ernährungsgewohnheiten, Antibiotikatherapie, Mikrobiomveränderungen, Immunphänotypen und klinischen Endpunkten wie Sepsis oder Intensivpflichtigkeit.
Ergänzend untersucht die CRU Mikrobiom-Wirt-Dynamiken bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten, unter anderem bei Krebserkrankungen. Das Ziel besteht darin, pathologische Interaktionsnetzwerke zwischen Mikrobiota und Immunsystem zu definieren sowie neue prädiktive Marker für Blutstrominfektionen und Sepsis zu identifizieren.