Neuer Wirkstoff BTZ-043 gegen Tuberkulose

Tuberkulosebakterien im Fokus der Forschung.

© CDC/James Archer

Seit 2014 entwickeln Wissenschaftler im DZIF ein vielversprechendes Antibiotikum gegen Tuberkulose, das in präklinischen Tests auch gegen multiresistente Erreger hochwirksam war. Die Prüfsubstanz BTZ-043, ein Benzothiazinon, ist ein völlig neuer Wirkstoff, der in einer Phase-I-Studie bereits eine gute Verträglichkeit gezeigt hat. Seit Ende 2019 wird die Substanz in einer klinischen Studie in Kapstadt, Südafrika, erstmals an Patienten getestet. 

„Um die Patientensicherheit zu gewährleisten, arbeiten wir mit unseren langjährigen Partnern in Südafrika und gleichzeitig weltweit erfahrensten Studienteams um die Professoren Andreas Diacon und Rodney Dawson zusammen.“
Dr. Julia Dreisbach
Projektmanagerin, LMU München

Hintergrund

Tuberkulose ist die weltweit häufigste Todesursache, die durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Jährlich sterben daran nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) circa 1,5 Millionen Menschen, insbesondere in Südostasien, Afrika und der Westpazifik-Region. Eine enorme Herausforderung bei der Behandlung von Tuberkulose ist das vermehrte Auftreten resistenter Keime, gegen die nur noch wenige Antibiotika helfen. Die WHO setzt daher große Hoffnungen auf die Entwicklung von Medikamenten, die auf neuen Wirkstoffen basieren. Die Prüfsubstanz BTZ-043, ein Benzothiazinon, ist so ein neuer Wirkstoff.

Entdeckt wurde BTZ-043 von Forscherinnen und Forschern des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (Leibniz-HKI) in Jena. Seit 2014 wird der Wirkstoff in einer Partnerschaft von Wissenschaftlern des Leibniz-HKI und des Tropeninstituts am Klinikum der LMU München im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und InfectControl entwickelt. Finanziert wird die Studie mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP), sowie des Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und des Freistaats Thüringen.

Entwicklung

Das internationale Forschungsteam befindet sich mit dem Start der Studie in Kapstadt an einem entscheidenden Punkt: Erweist sich der Wirkstoff in der jetzt laufenden Studie (Phase II) als sicher und wirksam, wäre dies ein großer Schritt in der Entwicklung eines neuen Medikaments. Dieses könnte in absehbarer Zukunft eines der herkömmlichen, häufig resistenzbehafteten Antibiotika in einer Kombinationstherapie ersetzen und die Behandlungsdauer der Tuberkulose deutlich verkürzen. Die Leitung der Studie hat Prof. Dr. Michael Hoelscher vom Tropeninstitut am Klinikum der LMU.

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