Tuberkulose: Neuartiger Test bestimmt Resistenzen schnell und aussagekräftig

© FZ Borstel/Pukall

Ein internationales Team unter der Leitung von Wissenschaftlern am Forschungszentrum Borstel und am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) hat ein neues Testverfahren untersucht, um resistente Tuberkulosestämme schneller bestimmen und somit effektiver behandeln zu können. Die Studie konnte zeigen, dass der sogenannte Deeplex® MycTB-Test sehr vielversprechende Resultate liefert und in Zukunft eine wichtige Rolle in der Diagnostik spielen könnte.

Mit zehn Millionen Neuinfektionen jährlich gehört die Tuberkulose zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. Besonders das Auftreten mehrfach-resistenter Mykobakterien-Stämme erschwert die globale Tuberkulose-Kontrolle und erfordert die schnelle Bestimmung umfassender Resistenzprofile zum Beginn einer effektiven, personalisierten Therapie.

Die auf dem Wachstum der Bakterien basierende Resistenzbestimmung ist mit bis zu sechs Wochen Dauer sehr zeitaufwendig. Verfügbare molekular-biologische Tests können zwar direkt vom klinischen Material durchgeführt werden, erfassen jedoch nur eine begrenzte Anzahl der Resistenzvarianten. Eine exzellente Alternative zur umfassenden Resistenzbestimmung stellt die Analyse des Erbguts der Pathogene durch die sogenannte „Ganzgenom-Sequenzierung“ dar. Jedoch ist die direkte Sequenzierung aus klinischem Material herausfordernd, da die Menge an mykobakterieller DANN gering ist.   

Daher wurde in dieser Arbeit eine Variante getestet, in der nur direkt mit Resistenzen im Zusammenhang stehende Bereiche des Erbguts vervielfältigt und dann aufgeschlüsselt werden. Dieser Ansatz wurde mit dem Test der Firma Genoscreen (Lille, Frankreich) verfolgt. Es handelt sich um einen neuartigen „deep-sequencing-assay“, der 18 Resistenz-vermittelnde Regionen im mykobakteriellen Genom abdeckt. 

Der Vergleich der Deeplex®-MycTB-Daten mit klassischen Ganzgenom-sequenzdaten zeigte Übereinstimmungen im Bereich von 98 Prozent, der Vergleich mit phänotypischen Resistenzdaten Übereinstimmungen von > 95 Prozent für die Erstrangmedikamente und von 70 bis 100 Prozent für die Zweitrangmedikamente. Die Übereinstimmung von nur 70 Prozent bei den Fluorchinolon-Antibiotika ist auf Varianten zurückzuführen, die eine sogenannte „low level“-Resistenz vermitteln und nur zu einem geringen Prozentsatz in der analysierten Probe vorkommen. Der neuartige Deeplex®-MycTB-Test ist in der Lage, diese Varianten zu detektieren, wohingegen phänotypische Tests oft an Grenzen stoßen. 

„Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, dass der Deeplex®-MycTB-Test ein ideales Werkzeug zur schnellen und umfassenden Resistenzbestimmung aus klinischen Proben darstellt und in Zukunft die phänotypische Resistenzbestimmung für einen großen Anteil der diagnostischen Proben ersetzen kann.“ sagt Dr. Silke Feuerriegel, Erstautorin der Studie und DZIF-Wissenschaftlerin am FZ Borstel.

Quelle: Pressemitteilung FZ Borstel

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