WHO-Meldung zu Hantavirus-Fällen auf Kreuzfahrtschiff: Einordnung der Situation für Deutschland
Die gemeldeten Hantavirus-Fälle im Zusammenhang mit einem Kreuzfahrtschiff wurden durch das in Südamerika vorkommende Andesvirus hervorgerufen. Medizinisch ist dieses Ereignis auffällig, weil bei diesem Virus in seltenen Fällen eine Übertragung von Mensch zu Mensch beschrieben wurde und dies auch hier möglicherweise eine Rolle gespielt hat. Nach aktueller Einschätzung handelt es sich jedoch um ein eher seltenes und lokal begrenztes Ereignis.
Für die in Europa vorkommenden Hantaviren ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch bislang nicht bekannt. Die Situation in Deutschland hinsichtlich heimischer Hantaviren bleibt daher unverändert.
In Deutschland entsteht das Risiko vor allem durch den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Kleinsäuger, also mit Urin, Kot oder Speichel, z.B. wenn erregerhaltiger Staub eingeatmet wird. Besonders relevant ist hierzulande das Puumala-Virus, dessen natürlicher Reservoirwirt die Rötelmaus ist. Weitere Hantaviren, darunter das Dobrava-Belgrad-, Tula- und Seoul-Virus, sind ebenfalls im Zusammenhang mit Nagetieren in Deutschland bekannt. Bei allen diesen Hantaviren handelt es sich beim Menschen in der Regel um einzelne Infektionen durch den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere; Infektionsketten von Mensch zu Mensch treten nicht auf.
Die natürlichen Reservoirwirte des Andesvirus, bestimmte Zwergreisratten, sind auf Südamerika beschränkt. Das Andesvirus kommt daher in Europa nicht natürlich vor.
Gegen Hantavirusinfektionen stehen keine Impfstoffe und spezifischen Therapien zur Verfügung. Deshalb ist es besonders wichtig, den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Reservoirwirte zu vermeiden. Praktische Hinweise dazu enthält das Merkblatt „Wie vermeide ich Hantavirusinfektionen?“
Das Nationale Referenzlabor für Hantaviren am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), einer Mitgliedseinrichtung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, unterstützt nationale und internationale Behörden bei Diagnostik, Bewertung und Prävention. Der aktuelle Vorfall unterstreicht die Bedeutung internationaler Gesundheitsüberwachung sowie einer engen fachübergreifenden Zusammenarbeit bei ungewöhnlichen Infektionsereignissen.
Links
- FAQs
- Merkblatt „Wie vermeide ich Hantavirusinfektionen?“
- Referenzlabor des FLI
- Konsiliarlabor des RKI
- Daten des RKI zu humanen Erkrankungsfällen in Deutschland
- Daten des ECDC zu humanen Erkrankungsfällen in Europa
- Startseite des WHO
Quelle: Pressemitteilung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI)