TherVacB: Eine therapeutische Impfung gegen Hepatitis B

Hepatitis-B-Viruspartikel orange angefärbt; elektronenmikroskopische Aufnahme.

© CDC/Dr. Erskine Palmer

Das Münchner DZIF-Team um Prof. Ulrike Protzer entwickelt einen neuartigen Therapieansatz zur Heilung chronischer Hepatitis B. Das Forscherteam am Helmholtz-Zentrum München und der Technischen Universität München fand heraus, dass in der Leber gebildete Virusproteine die körpereigene Abwehr hemmen und dadurch eine effektive Therapie verhindern. Der neuartige therapeutische Impfstoff – TherVacB – soll nun diese Virusproteine unterdrücken und die Immunabwehr ankurbeln, um so eine Heilung zu ermöglichen. Der immuntherapeutische Ansatz wird voraussichtlich ab Juli 2022 in klinischen Studien in den ersten Patientinnen und Patienten erprobt werden.

„Wir sind froh, dass wir für die klinische Studie von TherVacB mit einem europaweiten Konsortium führender Virologen, Immunologen und Hepatologen unter Leitung des Helmholtz Zentrums München zusammenarbeiten können.“
Ulrike Protzer
Prof. Dr. Ulrike Protzer
Koordinatorin DZIF-Forschungsbereich „Hepatitis“

Hintergrund

Rund 260 Millionen Menschen, mehr als drei Prozent der Weltbevölkerung, sind chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. Jährlich sterben weltweit 880.000 Betroffene an den Folgen – Leberzirrhose und Leberzellkarzinom. Derzeit gibt es keine Möglichkeit zur Heilung. Denn die vorhandenen Therapien verhindern nur die Vermehrung des Virus, können die Infektion jedoch nicht ausheilen. Solange infizierte Menschen keine schützende Immunantwort bilden können, überlebt das Virus. An diesem Punkt setzte Prof. Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und der TUM sowie Koordinatorin im Forschungsbereich Hepatitis des DZIF, gemeinsam mit ihrem Team an.

Entwicklung

Eine chronische Hepatitis B kommt dadurch zustande, dass die Virusproteine die Immunantwort des Körpers unterdrücken können, sodass die Krankheit bestehen bleibt. Die Gruppe entwickelte nun eine Methode, die Konzentration dieser Virusproteine deutlich zu senken. Dadurch erlangen bestimmte Immunzellen des Patienten, sogenannte CD8-T-Zellen, die Möglichkeit re-aktiviert zu werden. Da die Senkung der Virusprotein-Konzentration aber in den Experimenten allein noch nicht ausreichte, um die Hemmung des Immunsystems aufzuheben, soll anschließend durch eine therapeutische Impfung eine schützende Immunantwort gegen das Virus ausgelöst werden. In Mäusen konnte diese Impfung sowohl neutralisierende Antikörper als auch T-Zell-Antworten generieren ­– die Hepatitis-B-Infektion heilte aus. Derzeit werden die präklinischen und toxikologischen Studien in Mäusen komplettiert. Der Impfstoff ist so konzipiert, dass er die Mehrheit aller vorkommenden Hepatitis-B-Viren abdeckt und damit für Infizierte weltweit eingesetzt werden kann.

Partner in Deutschland

Das europaweite Konsortium aus 16 Partnern erhält eine Förderung der Europäischen Union im Rahmen von Horizon 2020.