Vielversprechende Malaria-Einzeldosistherapie vor panafrikanischer klinischer Studie
• DZIF-Projekt soll zentrale Hürden der Malariabekämpfung überwinden.
• Studienleiter Prof. Ghyslain Mombo-Ngoma in TIME100 Health 2026 aufgenommen.
Behandlung einer Patientin im Rahmen der klinischen SPAP-Studie in Gabun. Zu sehen sind die Krankenschwester Merleye Nongou (stehend), die Datenerfasserin Naomie Badinga (sitzend), sowie Studienarzt Dr. Alex Hounmenou Zinsou. Die Aufnahme entstand am CERMEL-Satellitenstandort in Mighoma, Tchibanga.
Forschende des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben eine vielversprechende Malariatherapie entwickelt, die mit nur einer einzelnen Dosis auskommt. Sie könnte dazu beitragen, der zunehmenden Resistenz gegen bestehende Medikamente entgegenzuwirken und die Behandlung für Patientinnen und Patienten deutlich zu vereinfachen. Die Vier-Medikamenten-Kombination mit der Bezeichnung SPAP wird derzeit für groß angelegte klinische Studien in mehreren afrikanischen Ländern vorbereitet. Das Projekt wird unter anderem von Prof. Ghyslain Mombo-Ngoma geleitet, der für seine Beiträge zur globalen Gesundheitsforschung in die TIME100 Health 2026 aufgenommen wurde.
Trotz großer Fortschritte in den letzten Jahrzehnten verursacht Malaria weiterhin jedes Jahr Hunderttausende Todesfälle – vor allem in Afrika südlich der Sahara. Gleichzeitig nehmen Resistenzen gegen bestehende Medikamente zu, und viele Patientinnen und Patienten haben Schwierigkeiten, mehrtägige Behandlungen vollständig einzuhalten. Zwar werden neue Malariamedikamente entwickelt, doch kann es Jahre dauern, bis diese flächendeckend verfügbar sind.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, untersuchen DZIF Wissenschaftler:innen, wie sich bereits verfügbare Medikamente effektiver kombinieren lassen. Dabei haben sie SPAP entwickelt – eine neue Einzeldosistherapie, die auf den vier bereits zugelassenen Malariawirkstoffen Sulfadoxin, Pyrimethamin, Artesunat und Pyronaridin basiert.
Die Ergebnisse einer in Gabun durchgeführten klinischen Studie deuten darauf hin, dass SPAP die Malariabehandlung deutlich verbessern könnte. Aufgrund mehrerer Wirkungsmechanismen gegen den Malariaerreger hat die Therapie das Potenzial, zwei zentrale Herausforderungen der Malariabekämpfung anzugehen: die zunehmende Arzneimittelresistenz und die unzureichende Therapietreue bei mehrtägigen Behandlungen.
„Zwar wird bereits an Malariamedikamenten der nächsten Generation geforscht, doch bis diese tatsächlich auf den Markt kommen, werden noch viele Jahre vergehen”, erklärt Prof. Peter Kremsner, weltweit renommierter Malariaforscher am Universitätsklinikum Tübingen, zu den Zielen der Studie. „Bis dahin ist es entscheidend, die vorhandenen Medikamente so optimal wie möglich zu kombinieren und die beste Behandlungsstrategie dafür zu entwickeln.“
Nächster Schritt: Panafrikanische klinische Studie
Um die vielversprechenden Ergebnisse der vorangegangenen Studie zu validieren, planen die Forschenden eine groß angelegte klinische Studie in mehreren afrikanischen Ländern. Ziel ist es, die Sicherheit und Wirksamkeit von SPAP unter Alltagsbedingungen zu untersuchen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Potenzial der Therapie anerkannt und SPAP in ihre Liste prioritärer Malariamedikamente in Entwicklung aufgenommen. Mit der Herstellung von SPAP-Tabletten mit fester Dosierung für die panafrikanische klinische Studie wird voraussichtlich noch in diesem Jahr begonnen. Sollten die Ergebnisse durch die klinische Studie bestätigt werden, könnte SPAP einen bedeutenden Fortschritt für die Malariabehandlung in Subsahara-Afrika darstellen und eine einfachere und wirksamere Therapieoption bieten.
„Diese Studie adressiert eine der dringendsten Herausforderungen in der Malariatherapie: die Wirksamkeit von Behandlungen zu erhalten und gleichzeitig das Risiko weiterer Resistenzentwicklungen zu verringern“, sagt Prof. Ghyslain Mombo-Ngoma vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), der das Projekt mit leitet. „Eine Einzeldosistherapie könnte die Behandlung erheblich vereinfachen und den Zugang für Patientinnen und Patienten in betroffenen Regionen verbessern,” fügt Mombo-Ngoma, der zudem eine Forschungsgruppe am Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun leitet, hinzu. Das CERMEL ist eine von vier Afrikanischen Partner-Institutionen des DZIF, mit denen Wissenschaftler:innen des DZIF bereits seit Langem zusammenarbeiten.
„Die Stärke dieses Projekts liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen in Afrika und Europa“, ergänzt Dr. Oumou Maïga Ascofaré. Sie ist Gruppenleiterin am BNITM sowie am Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) in Ghana, einer weiteren afrikanischen Partner-Institution des DZIF, und dritte Studienleiterin der panafrikanischen klinischen Studie. „Gemeinsam wollen wir wissenschaftliche Evidenz schaffen, die zukünftige Strategien zur Malariabehandlung dort unterstützt, wo sie am dringendsten benötigt werden.“
Die panafrikanische klinische Studie wird vom DZIF maßgeblich unterstützt. Alle drei Studienleiter:innen sind Forschende im DZIF-Forschungsbereich Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten.
Ghyslain Mombo-Ngoma in die TIME100 Health 2026 aufgenommen
Die internationale Bedeutung dieser Forschungsarbeit spiegelt sich auch in einer aktuellen Auszeichnung wider: Prof. Mombo-Ngoma wurde in die TIME100 Health 2026 aufgenommen. Die Liste würdigt 100 Persönlichkeiten, die die Zukunft der globalen Gesundheit maßgeblich prägen.
Mit dieser Auszeichnung würdigt das Magazin TIME nicht nur individuelles wissenschaftliches Engagement, sondern unterstreicht auch die Bedeutung der Überführung biomedizinischer Forschung in nachhaltige Verbesserungen der Gesundheitsversorgung weltweit. Zugleich hebt die Ehrung den Wert internationaler Forschungspartnerschaften bei der Bewältigung globaler Gesundheitsherausforderungen hervor.
„Es ist mir eine große Ehre, in die TIME100 Health aufgenommen worden zu sein“, sagt Prof. Mombo-Ngoma. „Diese Auszeichnung würdigt die Arbeit vieler Kolleginnen, Kollegen und Partner in Afrika und Europa, die sich gemeinsam dafür einsetzen, die Belastung durch vernachlässigte Infektionskrankheiten zu verringern. Unser Antrieb ist die Überzeugung, dass wissenschaftliche Exzellenz zu konkreten gesundheitlichen Verbesserungen für die Menschen führen muss, die sie am dringendsten benötigen.“
Prof. Mombo-Ngoma ist ein international anerkannter Experte für klinische und Implementierungsforschung zu armutsassoziierten Infektionskrankheiten. Er leitet die Forschungsgruppe „Drug Implementation“ am BNITM in Hamburg sowie die Forschungsgruppe „Medicines for Poverty Related Infectious Diseases and Implementation Research“ am CERMEL. Darüber hinaus hat er eine Professur am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) inne. Seine Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung und Bewertung neuer Therapien gegen Malaria, Bilharziose (Schistosomiasis) und weitere Infektionskrankheiten, die insbesondere Frauen, Kinder und Jugendliche in Subsahara-Afrika betreffen.
Neben der Leitung multinationaler klinischer Studien engagiert sich Prof. Mombo-Ngoma für den Ausbau von Forschungskapazitäten in Afrika und die Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern durch evidenzbasierte Maßnahmen. Seine Arbeit verbindet Forschungseinrichtungen in Afrika und Europa, um die Entwicklung und Umsetzung neuer Gesundheitslösungen zu beschleunigen.
Die vollständige Liste „TIME100 Health 2026“ finden Sie unter time.com/time100health. Das Porträt über Prof. Mombo-Ngoma finden Sie hier.
Quelle: Pressemitteilung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) zur TIME100 Health 2026-Ehrung.