Gemeinsame Ausschreibung von ANRS MIE und DZIF mit dem Ziel der Heilung von HIV, Hepatitis B und Hepatitis Delta
Die Ausschreibung startet am 26. Oktober 2026 und Anträge können bis zum 12. Januar 2027 eingereicht werden.
Zentrale Punkte der Ausschreibung
- Die französische Nationale Forschungsagentur für HIV, virale Hepatitis und neu auftretende Infektionskrankheiten (ANRS MIE) und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) starten eine gemeinsame Ausschreibung, um die translationale und präklinische Forschung zu Heilungsansätzen für HIV, Hepatitis B (HBV) und Hepatitis Delta (HDV) voranzubringen.
- Die Forschung zu Heilungsansätzen für HIV und Hepatitis ist eine gemeinsame strategische Priorität.
- Das bereitgestellte Gesamtbudget der gemeinsamen Ausschreibung beträgt zwei Millionen Euro. Es können bis zu vier Projekte gefördert werden: zwei Projekte mit Schwerpunkt HIV und zwei Projekte mit Schwerpunkt virale Hepatitis.
Warum eine gemeinsame Ausschreibung?
Diese Ausschreibung ist Teil des gemeinsamen Engagements, die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland zu stärken, die auf eine lange Tradition der wissenschaftlichen und akademischen Zusammenarbeit zurückblickt. Indem ANRS MIE und DZIF ihre übereinstimmenden wissenschaftlichen Prioritäten zusammenführen, soll eine deutsch-französische Forschungsdynamik entstehen und die Zusammenarbeit zwischen Teams zum Thema Heilung gestärkt werden, insbesondere im Bereich HIV sowie Hepatitis B und Delta. Die im Rahmen dieser Ausschreibung eingereichten Projekte müssen daher mindestens ein französisches Forschungsteam und ein deutsches Forschungsteam aus einer DZIF-Mitgliedseinrichtung oder einer mit dem DZIF assoziierten Partnereinrichtung umfassen, die das Projekt gemeinsam federführend leiten.
Interview mit Prof. Maura Dandri (DZIF) und Prof. Yazdan Yazdanpanah (ANRS MIE):
- Wie ist die Zusammenarbeit zwischen ANRS MIE und DZIF entstanden?
Prof. Maura Dandri und Prof. Yazdan Yazdanpanah: Die Zusammenarbeit zwischen ANRS MIE und DZIF beruht auf einer langjährigen Partnerschaft, die bereits 2014 durch eine erste Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zu HIV/AIDS und Hepatitis B formalisiert wurde. 2023 wurde diese Partnerschaft erneuert und auf ein breiteres Spektrum von Infektionskrankheiten ausgeweitet, darunter HIV, virale Hepatitis, Tuberkulose und neu auftretende Infektionskrankheiten.
Dieser Kooperationsrahmen soll insbesondere dazu beitragen, wissenschaftliche Prioritäten gemeinsam festzulegen, gemeinsame Forschungsprogramme zu entwickeln, sich an wissenschaftlichen Veranstaltungen und Arbeitsgruppen zu beteiligen und die gemeinsame Ausbildung der nächsten Generation von Forschenden in der Infektionsforschung zu fördern. Darüber hinaus umfasst er den Austausch von Informationen und die Verbreitung von Forschungsergebnissen.
- Warum wurden Heilungsansätze für HIV, Hepatitis B und Hepatitis Delta als Thema dieser gemeinsamen Ausschreibung ausgewählt?
Prof. Maura Dandri und Prof. Yazdan Yazdanpanah: Mit dieser gemeinsamen Ausschreibung greifen beide Einrichtungen eine gemeinsame strategische Priorität auf: die translationale und präklinische Forschung zu Heilungsansätzen für HIV sowie Hepatitis B und D zu beschleunigen.
Die Initiative soll die Entwicklung therapeutischer Strategien unterstützen, mit dem langfristigen Ziel, zur Eliminierung von HIV und chronischen Virushepatitiden beizutragen. Die Förderung öffentlich finanzierter akademischer Forschung zur Heilung von HIV ist von strategischer Bedeutung in einem internationalen Umfeld, in dem sich die Finanzierungslandschaft für Forschung und globale Gesundheit grundlegend verändert. Diese Ausschreibung unterstreicht das anhaltende Engagement Frankreichs und Deutschlands im Kampf gegen HIV und Hepatitis.
- Wie wurden die wissenschaftlichen Prioritäten der Ausschreibung festgelegt?
Prof. Maura Dandri and Prof. Yazdan Yazdanpanah: Die wissenschaftlichen Prioritäten wurden von Beginn an gemeinsam von ANRS MIE und DZIF festgelegt. Zu diesem Zweck wurde ein Treffen von HIV- und Hepatitis-Expertinnen und -Experten organisiert, an dem Forschende aus beiden Ländern teilnahmen. Bei diesem Treffen konnten die zentralen wissenschaftlichen Prioritäten des Forschungsgebiets identifiziert und Förderschwerpunkte festgelegt werden. Dabei wurden der wissenschaftliche Bedarf, Innovationsmöglichkeiten, Lücken in der bisherigen Forschung sowie Fragen der Machbarkeit berücksichtigt.
Auf Grundlage dieser Diskussionen wurden zwei Schwerpunktbereiche für die Ausschreibung ausgewählt. Bei HIV geht es darum, neue Instrumente und Strategien zu entwickeln, um virale Reservoirs zu kontrollieren und eine dauerhafte, auf unterschiedliche Patientengruppen übertragbare Remission der Infektion zu erreichen. Im Bereich Hepatitis sollen neue therapeutische Zielstrukturen und antivirale Wirkstoffe identifiziert werden, um im Rahmen der Heilungsforschung eine funktionelle Heilung von HBV und HDV zu erreichen und neue Konzepte und Ansätze für Prävention und Behandlung vorzuschlagen.
In diesem Rahmen fördert die Ausschreibung innovative translationale und präklinische Forschung. Dazu zählen insbesondere die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien, immunmodulatorische Ansätze, die auf virale Reservoirs abzielen, sowie der Einsatz geeigneter präklinischer Modelle. Darüber hinaus soll die Nutzung klinischer Proben und Daten gefördert werden, um neue Mechanismen der Viruskontrolle oder neue therapeutische Zielstrukturen zu identifizieren.
- Was erhoffen Sie sich von dieser gemeinsamen Ausschreibung? Wie könnte sich die Zusammenarbeit weiterentwickeln?
Prof. Maura Dandri und Prof. Yazdan Yazdanpanah: Mit dieser gemeinsamen Ausschreibung wollen ANRS MIE und DZIF die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen französischen und deutschen Teams im Bereich HIV und Hepatitis stärken, indem sie die Entstehung gemeinsamer Forschungsprojekte unterstützen. Ziel ist es, die Expertise und Ressourcen beider Länder zu bündeln, um Fortschritte bei gemeinsamen wissenschaftlichen Prioritäten zu beschleunigen – insbesondere bei der Remission von HIV und der funktionellen Heilung von HBV und HDV.
Die Initiative ist Teil einer langfristig angelegten Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen. Sie soll die deutsch-französischen wissenschaftlichen Verbindungen in der Infektionsforschung festigen und letztlich den Weg für weitere gemeinsame Kooperationen ebnen.
Über ANRS MIE
ANRS Emerging Infectious Diseases (ANRS MIE) wurde am 1. Januar 2021 gegründet und ist eine eigenständige Agentur des französischen Nationalen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm). Zu ihren Aufgaben gehören die Leitung, Evaluation, Koordination und Finanzierung von Forschung zu HIV/AIDS, viralen Hepatitiden, sexuell übertragbaren Infektionen, Tuberkulose sowie neu auftretenden und wiederauftretenden Infektionskrankheiten. Dazu zählen auch neu auftretende Atemwegsinfektionen wie COVID-19, virale hämorrhagische Fieber und Arbovirosen.
Die Agentur deckt alle Forschungsbereiche ab: Grundlagenforschung, klinische Forschung und Public-Health-Forschung ebenso wie die Geistes- und Sozialwissenschaften. Ihre Organisation legt besonderes Gewicht auf Innovation und den Ausbau internationaler Partnerschaften. Weitere Informationen finden Sie unter anrs.fr (in englischer Sprache).
Unterlagen zur gemeinsamen Ausschreibung von ANRS MIE und DZIF:
- Ausschreibungstext
- Bewerbungsformular
- Anhang „Leitfaden zur Bewerbung – Apogée-Plattform“: In Kürze verfügbar.