Neue klinische Standards stärken „Antimicrobial Stewardship“ in der Tuberkuloseversorgung

Ein Patient in Namibia erhält seine Tagesration an Tuberkulose-Medikamenten.

© Christoph Lange

Weltweit nehmen die Resistenzen gegen Antibiotika zu. Das gilt auch für Wirkstoffe, die für die Behandlung von Tuberkulose zentral sind, wie Bedaquilin. Ein internationales Expertengremium aus 32 Ländern hat deshalb erstmals spezifische „Antimicrobial Stewardship“-Standards für die Tuberkuloseversorgung vorgelegt. Die im International Journal of Tuberculosis and Lung Disease erschienenen Empfehlungen zielen darauf ab, Tuberkulose stärker in „Antimicrobial Stewardship“-Strukturen zu verankern, das Resistenzmonitoring und die Diagnostik zu optimieren und die Qualität der Therapie nachhaltig zu verbessern.

„Antimicrobial Stewardship“ (AMS) bezeichnet koordinierte Strategien zur gezielten, evidenzbasierten und sicheren Anwendung von Antiinfektiva. Das Ziel besteht darin, Behandlungsergebnisse zu verbessern, Nebenwirkungen zu minimieren und die Entstehung sowie Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen zu verhindern. Während AMS in vielen Bereichen der Infektionsmedizin fest etabliert ist, fehlte bislang ein spezifisches, klinisch anwendbares Konzept für die Tuberkuloseversorgung.

Tuberkulose (TB) trägt in erheblichem Maße zur globalen Last antimikrobieller Resistenzen bei. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Mycobacterium tuberculosis mit Resistenz gegen das Antibiotikum Rifampicin in der Liste der vorrangigen bakteriellen Krankheitserreger (Bacterial Priority Pathogens List) 2024 als Pathogen mit hoher Priorität ein. Besonders besorgniserregend ist die zunehmende Resistenz gegenüber neueren Schlüsselmedikamenten wie Bedaquilin, da dadurch die in den vergangenen Jahren erzielten Fortschritte in der Behandlung der medikamentenresistenten TB gefährdet werden.

Vor diesem Hintergrund wurden nun erstmals klinische Standards für „Antimicrobial Stewardship“ in der TB-Versorgung veröffentlicht. Die Standards erschienen in der aktuellen Ausgabe des The International Journal of Tuberculosis and Lung Disease (IJTLD) Open und wurden von einem internationalen Expertengremium mit 62 Fachleuten aus 32 Ländern und allen sechs WHO-Regionen im Rahmen eines strukturierten Delphi-Verfahrens entwickelt. Ziel der Standards ist es, TB systematisch in bestehende AMS-Strukturen zu integrieren, die Überwachung und das Resistenzmonitoring zu stärken, den Zugang zu zeitnaher und umfassender Resistenztestung zu verbessern und die Qualität der TB-Therapie konsequent an Wirksamkeit, Sicherheit und Resistenzvermeidung auszurichten. Dazu gehören unter anderem strukturierte Konsiliardienste, eine gezielte Testung und präventive Behandlung von Risikogruppen sowie eine engmaschige klinische und mikrobiologische Therapiekontrolle.

Antimikrobielle Resistenzen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in der Tuberkulosebehandlung dar“, sagt Dr. Thomas Theo Brehm, Erstautor der Studie. „Mit diesen klinischen Standards wollen wir dazu beitragen, dass Tuberkulose auch in Zukunft wirksam, sicher und verantwortungsvoll behandelt werden kann.“

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