Trauer um Professor Oliver T. Keppler

Ein weltweit anerkannter Experte für Virologie: Prof. Dr. med. Oliver T. Keppler vom Max von Pettenkofer-Institut ist kürzlich verstorben.

© Jan Greune

Prof. Dr. med. Oliver T. Keppler, Vorstand des Lehrstuhls für Virologie am Max von Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist am 27. Januar nach schwerer Krankheit verstorben. Als international anerkannter Experte für medizinische Virologie setzte er wichtige Impulse in der HIV-Forschung und prägte mit seinen Arbeiten zu Virus-Wirt-Interaktionen die Forschung weit über Deutschland hinaus. Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) wirkte er prägend am Aufbau und an der Entwicklung des Forschungsbereichs HIV mit.

Professor Keppler war seit 2015 Lehrstuhlinhaber für Virologie der LMU München am Max von Pettenkofer-Institut und als weltweit anerkannter Experte für medizinische Virologie auch im DZIF als Wissenschaftler im Forschungsbereich HIV aktiv. Oliver Keppler wuchs in Freiburg im Breisgau auf, besuchte das Atlantic College in Wales und studierte Medizin in Freiburg und Heidelberg. Er entdeckte schon während seines Studiums sein Interesse für die Virologie und begann seine Forscherkarriere mit einer virologischen Doktorarbeit am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, die vom späteren Nobelpreisträger Harald zur Hausen und Michael Pawlita betreut wurde. Es folgten mehrere Forschungsstationen, darunter ein mehrjähriger Aufenthalt in den USA im Labor von Mark Goldsmith an der University of California in San Francisco. Daran schlossen sich wissenschaftliche und ärztliche Tätigkeiten am Institut für Virologie der Universität Heidelberg an, wo er sich auch habilitierte und den Facharzttitel erwarb. 2012 wurde er auf den Lehrstuhl für Virologie der Universität Frankfurt berufen. 2015 wechselte er an die LMU, wo sein Institut vom Bundesgesundheitsministerium zum nationalen Referenzzentrum für Retroviren ernannt wurde – als sichtbares Zeichen seiner Expertise. Das Keppler-Labor erforscht zentrale Mechanismen der Virus-Wirt-Interaktion bei HIV und SARS-CoV-2 sowie die Entstehung von Chemotherapie-Resistenz bei Krebs. Schwerpunkte sind HIV-induzierte Immunzerstörung und Latenz, die Entwicklung neuer antiviraler Ansätze gegen SARS-CoV-2 sowie SAMHD1-abhängige Resistenzmechanismen an der Schnittstelle von Virologie und Onkologie.

Oliver Keppler wurde für seine Leistungen mit zahlreichen wissenschaftlichen Ehrungen ausgezeichnet, so erhielt er für seinen Einsatz während der SARS-CoV-2-Pandemie 2022 den Bayerischen Verdienstorden.

Oliver Keppler war mit Leib und Seele Arzt und Virologe. Er begeisterte sich ebenso für die Grundlagenforschung und die Weiterentwicklung molekularer Methoden, wie für die moderne Diagnostik, Prophylaxe und Therapie von Viruskrankheiten aller Art. Die medizinische Anwendung experimenteller Forschungsergebnisse war für ihn immer die zentrale Mission, die er engagiert verfolgte. 

Im DZIF hat Oliver Keppler im Besonderen den erfolgreichen Aufbau und die Entwicklung des Forschungsbereichs HIV geprägt. Gemeinsam mit seinem Team untersuchte er, wie das HI-Virus in menschlichen Zellen eine latente Infektion etabliert und dadurch eine Heilung verhindert. Dabei gewann er wichtige Erkenntnisse darüber, wie diese Zellen erkannt und gezielt bekämpft werden können. Zur genauen Untersuchung des latenten HIV-Reservoirs baute er zudem eine Plattform zur Quantifizierung auf, die auch in Zukunft von vielen HIV-Forschungsgruppen genutzt werden wird und dazu beiträgt, dem Ziel einer HIV-Heilung näher zu kommen. Oliver Kepplers große Expertise, seine kluge, sehr systematische und immer kooperative Arbeitsweise haben seine Kolleginnen und Kollegen im DZIF nachhaltig geprägt. Sein wissenschaftliches Wirken, seine Ideen und Erkenntnisse werden daher weit über sein eigenes Arbeiten hinaus fortbestehen und die Forschung im Forschungsbereich HIV und dem gesamten DZIF nachhaltig beeinflussen.

Seiner Familie gilt unser tiefes Mitgefühl. Wir trauern um einen besonderen Menschen und herausragenden Wissenschaftler, den wir sehr vermissen werden. 

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung

Quelle: Pressemitteilung des Max von Pettenkofer-Instituts

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