Corallopyronin A: Neues Antibiotikum gegen Wurminfektionen

Aufnahme von Patienten mit Flussblindheit in einer afrikanischen Partner-Institution.

© Achim Hörauf

Bereits 2009 entdeckten Prof. Achim Hörauf und sein Team am Uniklinikum Bonn, dass der Naturstoff Corallopyronin A gegen Würmer aus der Gruppe der Filarien wirksam ist. Infektionen mit diesen Würmern können zur Flussblindheit und unbehandelt auch zur sog. Elephantiasis führen – eine gefürchtete Krankheit, bei der sich Körperteile stark vergrößern. Im DZIF entwickeln die Wissenschaftler die Substanz nun zu einem Medikament weiter. Derzeit sind die präklinischen Versuche im Gang; der Produktionsprozess für ein qualitativ hochwertiges Corallopyronin A nach Arzneimittelstandard (GMP) ist etabliert. In einer Machbarkeitsstudie wird die Skalierbarkeit dieses Prozesses geprüft.

„Ich bin sehr froh, dass wir durch das DZIF in der Lage sind, die hohen internationalen Standards einer präklinischen Entwicklung auch in einem Konsortium aus akademischen Einrichtungen, zusammen mit Auftragnehmern aus der Industrie, durchzuführen, obwohl das im Regelfall Jahre dauert.“
Prof. Achim Hörauf
Projektleiter, Universität Bonn

Hintergrund

Mehr als 21 Millionen Menschen in Afrika sind mit dem Fadenwurm Onchocerca volvulus, dem Erreger der Flussblindheit, infiziert. Etwa jeder Zehnte der Betroffenen erblindet. Benötigt werden Wirkstoffe, die die langlebigen erwachsenen Würmer abtöten. Mit Corallopyronin A haben die Wissenschaftler um Achim Hörauf einen Wirkstoff gefunden, der genau das leisten kann. Er zerstört zunächst nicht die Würmer selbst, sondern die Bakterien, die als Symbionten in den Würmern leben. Da die Bakterien jedoch für das Überleben der Würmer notwendig sind, sterben diese im zweiten Schritt ebenfalls ab.

Neben diesen Bakterien in Fadenwürmern sind nachweislich die Erreger des Tsutsugamushi-Fiebers (zur Publikation), auch Busch-Typhus, sowie Chlamydien gegen Corallopyronin A empfindich. Die Wissenschaftler sehen in Corallopyroninen eine vielversprechende Substanzklasse für die Entwicklung von antibakteriellen Therapeutika.

Entwicklung

Das aus einem Umweltbakterium stammende Corallopyronin A wurde bereits in den 80er Jahren von Wissenschaftlern am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung als wirksames Antibiotikum gegen Staphylokokken erkannt. Als dann an der Bonner Universität das Team um Achim Hörauf die Wirksamkeit gegen Filarien entdeckte, die insbesondere in Afrika und anderen tropischen Gebieten verheerende Folgen für Betroffene haben, nahmen die Wissenschaftler aus dem DZIF die Substanz für eine Anwendung näher in den Blick. Die translationale Forschung befindet sich derzeit in der Endphase der präklinischen Testung von Corallopyronin A.

In Zusammenarbeit mit dem HZI konnte bereits ein biotechnologischer Prozess etabliert werden, mit dem der Wirkstoff in ausreichender Konzentration und Reinheit für die Toxizitätsprüfungen produziert werden kann (zu den beiden Publikationen aus den Jahren 2017 und 2019). Eine Herstellerfirma, die das Antibiotikum in großem Maßstab auch für klinische Prüfungen produzieren kann, wird derzeit gesucht, man ist mit mehreren internationalen Interessenten im Gespräch.

Partner

Ausgewählte Publikationen

Metab Eng

Production optimization and biosynthesis revision of corallopyronin A, a potent anti-filarial antibiotic

Autoren
Pogorevc D et al.
Front Microbiol

Elaborations on Corallopyronin A as a Novel Treatment Strategy Against Genital Chlamydial Infections

Autoren
Loeper N et al.
Microbiol Resour Announc

Complete Genome Sequence of the Corallopyronin A-Producing Myxobacterium Corallococcus coralloides B035

Autoren
Bouhired S et al.
Int J Antimicrob Agents

Effective inhibition of rifampicin-resistant Chlamydia trachomatis by the novel DNA-dependent RNA polymerase inhibitor corallopyronin A

Autoren
Shima K et al.