Gemeinsames ANRS MIE & DZIF Symposium bei der ESCMID Global 2026
• Die Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV) ist eine in Europa endemische, durch Mücken übertragene Zoonose. Betroffen sind Länder in Süd-, Ost- und Westeuropa.
• Gemeinsames DZIF-ANRS MIE-Symposium „Shaping the Future of West Nile Virus Research in Europe“ im Rahmen der ESCMID Global 2026 im April 2026 in München.
Anlässlich der ESCMID Global 2026 organisierten das DZIF und die französische Nationale Agentur zur Erforschung von HIV, viraler Hepatitis und neu auftretenden Infektionskrankheiten (ANRS MIE) ein gemeinsames Symposium, das der Zukunft der West-Nil-Virus (WNV)-Forschung in Europa gewidmet war.
Zu den wissenschaftlichen Organisatoren gehörten Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), stellvertretende Vorsitzende des DZIF-Vorstands, Deutschland; Eric D’Ortenzio von ANRS MIE, Frankreich; und Anna Papa-Konidari von der Medizinischen Fakultät der Aristoteles-Universität, Griechenland.
Das Symposium brachte Experten aus den Bereichen Virologie, Entomologie, Ökologie und Klimaforschung, klinische Forschung und öffentliche Gesundheit zusammen. Das übergeordnete Ziel des Symposiums bestand darin, eine gemeinsame Forschungsagenda zu erstellen, die eine frühzeitigere Erkennung ermöglicht, unser Verständnis der beteiligten Mechanismen vertieft und die Epidemievorsorge in Europa verbessert.
Zu den behandelten Themen gehörten die Entwicklung abgestimmter Forschungsstrategien und vergleichende Studien zu vektorübertragenen Krankheiten.
Das Programm des Symposiums umfasste vier Vorträge
• Marion Koopmans, Erasmus MC, Niederlande: “Arboviruses in Europe: framing West Nile virus within an evolving epidemiological and preparedness landscape.”
• Laura Pezzi, National Reference Centre (NRC) for Arboviruses, Frankreich: “Paris under threat: a One Health investigation of the 2025 West Nile virus emergence.”
• Christian Drosten, Institut für Virologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland: “Emergence and establishment of WNV in Germany.”
• Luisa Barzon, EU Reference Laboratory for Public Health on Vector-Borne Viruses, Italien: “Clinical aspects and management of neuroinvasive West Nile virus infection.”
Epidemiologischer Kontext
Das West-Nil-Virus (WNV) verursacht das West-Nil-Fieber, eine zoonotische Erkrankung. Das Virus wurde erstmals 1937 bei einer Frau in der Provinz West Nile des Protektorats Uganda (heute Republik Uganda) isoliert. Es wird angenommen, dass das Virus in den 1960er Jahren nach Europa gelangte. Frankreich war das erste europäische Land, das zwischen 1962 und 1964 WNV-Infektionen beim Menschen meldete.
Nach einigen vereinzelten Ausbrüchen kam es 1996 in Rumänien zum ersten größeren Ausbruch in Europa. Seit 2010 ist eine Zunahme von Ausbrüchen und epizootischen Herden zu verzeichnen, insbesondere in Mitteleuropa und im östlichen Mittelmeerraum, wo das Virus endemisch ist. Besonders bemerkenswert war das Jahr 2018, in dem der größte jemals in Europa verzeichnete Ausbruch stattfand. Fälle beim Menschen wurden erstmals 2019 und 2020 in Deutschland sowie 2020 in den Niederlanden gemeldet. Im Jahr 2024 meldeten 19 europäische Länder lokal erworbene Fälle von WNV beim Menschen.
Die Vorträge auf diesem Symposium bei der ESCMID Global 2026 konzentrierten sich auf die Definition der künftigen Forschungsschwerpunkte für WNV in Europa und betonten die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Das Symposium brachte Experten aus den Bereichen Virologie, Entomologie, Ökologie und Klimaforschung, klinische Forschung sowie öffentliche Gesundheit zusammen, um zu erörtern, wie koordinierte, sich ergänzende Forschungsanstrengungen unser Verständnis der WNV-Dynamik beschleunigen und die Epidemievorsorge speziell im europäischen Kontext verbessern können.
Ein besonderer Fokus lag auf Frankreich und Deutschland, wo der jüngste Anstieg der WNV-Zirkulation gemeinsame wissenschaftliche Herausforderungen deutlich macht – von der Verbesserung der genomischen Überwachung und Vektorstudien bis hin zur Verfeinerung der klinischen Charakterisierung, der Modellierung der Übertragung und der Bewertung innovativer Diagnose- und Präventionsinstrumente. Diese beiden Länder bieten eine einzigartige Gelegenheit, abgestimmte Forschungsstrategien und vergleichende Studien zu entwickeln, die dem gesamten europäischen Kontext vektorübertragener Krankheiten zugutekommen könnten.
Das übergeordnete Ziel des Symposiums bestand darin, eine gemeinsame Forschungsagenda zu skizzieren, die eine frühzeitigere Erkennung unterstützt, das Wissen über die Mechanismen erweitert und als Grundlage für wirksamere Interventionen dient.
Quelle: Mitteilung von ANRS MIE (in Englisch)