Technologietransfer für Corallopyronin A mit Phyton Biotech erfolgreich abgeschlossen
Diese Errungenschaft verdeutlicht die umfassenden Fermentationsfähigkeiten von Phyton Biotech über verschiedene Klassen von Mikroorganismen hinweg.
Bioreaktoren zur Produktion von Corallopyronin A im Biotechnikum des HZI in Braunschweig. Bei Phyton Biotech wird Corallopyronin A nun unter „Good Manufacturing Practice“-Bedingungen im industriellen Maßstab für den direkten Einsatz in klinischen First-in-Human-Studien produziert.
Phyton Biotech hat den Herstellungsprozess für die mikrobielle Produktion von Corallopyronin A (CorA) erfolgreich übertragen. CorA ist ein neuartiger Wirkstoff gegen Infektionen, der das Potenzial hat, vernachlässigte Tropenkrankheiten zu bekämpfen. Dieser Erfolg stellt einen bedeutenden Fortschritt für die speziellen GMP-Fermentationskapazitäten des Unternehmens dar und unterstützt das umfassendere klinische Entwicklungsprogramm, das unter der Leitung des Universitätsklinikums Bonn (UKB), des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) steht.
CorA ist ein natürliches Antiinfektivum mit einem einzigartigen Wirkmechanismus. Es zeigt eine starke Wirkung gegen Filarieninfektionen wie Flussblindheit (Onchozerkose) und lymphatische Filariose (LF). Zusätzlich wirkt es gegen Staphylokokken sowie gegen die Erreger einer ambulant erworbenen Lungenentzündung (CAP). Filarieninfektionen treten vorwiegend in Afrika auf (und im Falle der LF auch in Asien), betreffen Millionen von Menschen und werden durch parasitäre Würmer verursacht, die auf bakterielle Symbionten angewiesen sind. CorA zielt selektiv auf diese Symbionten ab und bietet somit einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz.
Der Technologietransfer konnte im Maßstab von 1.500 Litern erfolgreich in den GMP-Anlagen von Phyton Biotech in der Nähe von Hamburg (Fermentation) sowie in Vancouver, Kanada (Reinigung), abgeschlossen werden. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:
- Robuste Fermentation des gentechnisch veränderten Myxococcus xanthus-Stamms.
- Effiziente Zellseparation mittels Tangentialflussfiltration (TFF).
- Hochertragreiche Harzgewinnung und Reinigung von CorA unter Einhaltung aller kritischen Qualitätsmerkmale.
„Der Abschluss des Technologietransfers für Corallopyronin A ist ein wichtiger Meilenstein für Phyton Biotech und unsere Partner“, sagt Colin Marr, Präsident von Phyton Biotech. „Er unterstreicht unsere umfassende Fermentationskompetenz, einschließlich Organismusklassen, die in der Industrie noch nicht weit verbreitet sind, sowie unsere Fähigkeit, die Skalierung dieser neuartigen Therapie für die klinische Bewertung zu unterstützen.“
Nachdem der erste Transferprozess nun abgeschlossen ist, bereitet sich Phyton Biotech darauf vor, die Skalierbarkeit und Prozessleistung im Maßstab von 7.500 Litern zu demonstrieren, um CorA in GMP-Qualität für bevorstehende klinische Studien zu liefern.
Dieses Projekt ist Teil einer umfassenderen internationalen Zusammenarbeit, die vom DZIF und dem Global Health Innovative Technology (GHIT) Fund aus Japan in Zusammenarbeit mit der japanischen Pharmafirma Eisai Co. Ltd. unterstützt wird. Das Ziel besteht darin, CorA als neue Behandlungsoption für Krankheiten zu fördern, von denen unterversorgte Bevölkerungsgruppen überproportional betroffen sind. Prof. Achim Hoerauf, Leiter des CorA-Entwicklungskonsortiums und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie am Universitätsklinikum Bonn, betont die Bedeutung des DZIF und des GHIT Funds für die Erfüllung hoher internationaler Standards in der präklinischen Entwicklung. „Durch das DZIF und den GHIT Fund konnten wir diese Standards innerhalb eines Konsortiums aus akademischen Einrichtungen und Industriepartnern umsetzen – eine Leistung, die normalerweise viele Jahre dauern würde“, sagt Hoerauf, der auch stellvertretender Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten ist.
Das breite Spektrum an Fachwissen des DZIF war entscheidend für den Erfolg des Projekts: Der optimierte heterologe Produktionsstamm wurde am HZI unter der Leitung des DZIF-Wissenschaftlers Prof. Rolf Müller entwickelt. Der Produktionsprozess, bestehend aus Fermentation und Aufreinigung, wurde ebenfalls am HZI in der Arbeitsgruppe von Prof. Marc Stadler, stellvertretender Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs Neue Antibiotika, etabliert und während des Technologietransfers begleitet. Die oral verabreichbaren Formulierungen wurden in Bonn unter der Leitung des DZIF-Wissenschaftlers Prof. Karl Wagner (mit Unterstützung der ForTra gGmbH für Forschungstransfer der Else Kröner Fresenius Stiftung) entwickelt. Sie werden nun in der bevorstehenden klinischen Studie zum Einsatz kommen.
Quelle: Pressemitteilung von Phyton Biotech GmbH (in englischer Sprache)
Informationen über die beteiligten Einrichtungen/Unternehmen
- Über Phyton Biotech
Phyton Biotech ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Spezialfermentation und bekannt für seine Expertise in der Pflanzenzellfermentation (PCF®), mit der wichtige sekundäre Pflanzenstoffe gewonnen werden, die in der Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie in kommerziellem Maßstab eingesetzt werden. Diese Technologie spielt eine wichtige Rolle bei der Sicherung gefährdeter Lieferketten und beim Schutz bedrohter Pflanzen auf unserem Planeten. Mit einer installierten Kapazität von über 200 m³ und zertifizierten GMP-Anlagen in Deutschland und Kanada bietet Phyton umfassende Dienstleistungen zur Unterstützung der Entwicklung und Vermarktung natürlicher Moleküle durch Fermentation. Phyton Biotech kann auf eine nachgewiesene Erfolgsbilanz bei der Bereitstellung innovativer Lösungen für Kunden weltweit zurückblicken und ist der weltweit größte Hersteller von Paclitaxel und Docetaxel mittels PCF®.
Weitere Informationen unter: phytonbiotech.com
- Über das Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2024 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Entwicklung und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de
Weitere Infos unter www.microbiology-bonn.de- Über das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)
Wissenschaftler:innen am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen in Braunschweig und an anderen Standorten in Deutschland bakterielle und virale Infektionen sowie die Abwehrmechanismen des Körpers. Sie verfügen über fundiertes Fachwissen in der Naturstoffforschung und deren Nutzung als wertvolle Quelle für neuartige Antiinfektiva. Als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) betreibt das HZI translationale Forschung, um die Grundlagen für die Entwicklung neuartiger Therapien und Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten zu schaffen.
Weitere Infos unter:
- www.helmholtz-hzi.de
- www.helmholtz-hzi.de/media-center/newsroom/news-detailseite/neues-antibiotikum-gegen-erreger-der-flussblindheit-und-lymphatischen-filariose
- www.helmholtz-hzi.de/forschung/forschungsgruppen/detailseite/mikrobielle-wirkstoffe
- www.helmholtz-hips.de/de/forschung/teams/mikrobielle-naturstoffe
- Über das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Im DZIF entwickeln bundesweit mehr als 700 Forschende aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Ziel ist die sogenannte Translation: die schnelle, effektive Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis. Damit bereitet das DZIF den Weg für die Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen Infektionen. Das DZIF ist eines von acht Zentren im Verbund der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG). Weitere Informationen zum DZIF: www.dzif.de und zu den DZG: www.deutschezentren.de
- Über den Global Health Innovative Technology (GHIT) Fund
Der GHIT Fund ist ein in Japan ansässiger internationaler öffentlich-privater Partnerschaftsfonds (PPP), der von der japanischen Regierung, mehreren Pharmaunternehmen, der Gates Foundation, Wellcome und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) gegründet wurde. Der GHIT Fund investiert in ein Forschungs- und Entwicklungsportfolio von Entwicklungspartnerschaften, die sich mit vernachlässigten Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und vernachlässigten Tropenkrankheiten befassen, von denen die schutzbedürftigen und unterversorgten Bevölkerungsgruppen weltweit betroffen sind, und verwaltet dieses Portfolio. In Zusammenarbeit mit globalen Partnern mobilisiert der GHIT Fund die japanische Industrie, Wissenschaft und Forschung, um neue Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika zu entwickeln.
Weitere Infos unter: https://www.ghitfund.org/