Welttag der vernachlässigten Tropenkrankheiten am 30. Januar
Forschende des DZIF in Bonn, Hamburg, Tübingen und München arbeiten gemeinsam mit den Afrikanischen Partner-Institutionen des DZIF an der Verbesserung und Entwicklung von Diagnostik und Therapie vernachlässigter Tropenkrankheiten.
Der Welt-Tag der vernachlässigten Tropenkrankheiten am 30. Januar will auf Krankheiten aufmerksam machen, von denen weltweit Millionen Menschen betroffen sind, die jedoch in der Regel von anderen globalen Gesundheitsproblemen überschattet werden. Das Motto des Tages lautet: „Vereinen. Handeln. Eliminieren.” (Englisch: "Unite. Act. Eliminate"). Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 1,4 Milliarden Menschen auf Präventions-, Diagnose- und Behandlungsmaßnahmen angewiesen, insbesondere in strukturell benachteiligten Regionen.
Vernachlässigte Tropenkrankheiten wie Flussblindheit, Bilharziose oder lymphatische Filariose sind in vielen Ländern Afrikas weit verbreitet und beeinträchtigen Gesundheit, Lebensqualität und wirtschaftliche Teilhabe ganzer Bevölkerungen. Parasitische Infektionen können zudem das Immunsystem schwächen und das Risiko weiterer Erkrankungen und viraler Infektionen wie beispielsweise mit HIV erhöhen. Gleichzeitig geraten erfolgreiche Fortschritte der vergangenen Jahre durch Kürzungen in der globalen Gesundheitsfinanzierung unter Druck.
Vor diesem Hintergrund engagieren sich Wissenschaftler:innen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) gemeinsam mit Partner-Institutionen in Afrika in einer Reihe von Forschungsprojekten für eine bessere Diagnostik, Prävention und Therapie vernachlässigter Tropenkrankheiten.
Expertenservice zum Welttag gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten 2026
Für Medienanfragen zu den unten genannten sowie weiteren Themen im DZIF-Forschungsschwerpunkt „Vernachlässigte Tropenkrankheiten“ wenden Sie sich bitte an die jeweils genannten DZIF-Experten und -Expertinnen. Bitte leiten Sie alle Anfragen auch an presse@dzif.de weiter und geben Sie bei Zitaten in Interviews und Texten das DZIF als Quelle an.
Erhöhtes HIV-Infektionsrisiko bei Wurminfektionen
Wissenschaftler:innen am Tropeninstitut des LMU Klinikums München um Prof. Inge Kroidl erforschen das Zusammenspiel von bestimmten Wurmerkrankungen und HIV-Infektionen. Im Rahmen einer Kohorten-Studie in Tansania fanden sie heraus, dass eine Infektion mit dem Wurm Wuchereria bancrofti das Risiko einer Ansteckung mit HI-Viren um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Eine Folgestudie bestätigte, dass die Eindämmung dieser Wurminfektion zu einem Rückgang der HIV-Neuinfektionen führt.
Prof. Dr. Inge Kroidl
LMU Klinikum München
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Neue Antibiotika gegen Filarien
Die Flussblindheit (Onchozerkose) ist eine durch Fadenwürmer (Filarien) verursachte Infektion der Augenhornhaut. Die Infektion führt bei einem von zwanzig Erkrankten zum Verlust des Sehvermögens und bei einem von hundert zur Erblindung. Eine Infektion mit diesen Filarien ist ausschließlich in Flussnähe möglich, da die Kriebelmücke, der Überträger der Parasiten, nur dort vorkommt. Schätzungsweise sind 18 bis 25 Millionen Menschen infiziert. Wissenschaftler:innen des DZIF am Universitätsklinikum Bonn haben das Antibiotikum Corallopyronin A entwickelt. Es wirkt gegen Wolbachia-Bakterien, die als lebensnotwendige Symbionten in Filarien (Fadenwürmern) leben. Corallopyronin A ist ein neuartiges Antibiotikum, das aus einem Naturprodukt weiterentwickelt wurde und sich derzeit in der präklinischen Entwicklung zur Behandlung von Infektionen mit parasitären Fadenwürmern (Filariosen) und Infektionen durch grampositive Bakterien befindet.
Prof. Dr. Achim Hörauf
Stellv. Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten
Universitätsklinikum Bonn
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Breitbandmittel gegen Nematoden
Wurminfektionen wie Onchozerkose (Flussblindheit), Loiasis (afrikanische Augenwurmkrankheit), Mansonellose und Trichuriasis (Peitschenwurminfektion), können schwere, chronische Gesundheitsprobleme auslösen und betreffen Hunderte Millionen Menschen in tropischen Regionen. Im Verbundprojekt „eWHORM“, das mit 11,5 Millionen Euro von der Europäischen Union und der Schweizer Regierung gefördert wird, wollen DZIF-Forschende um Prof. Marc Hübner (Universität Bonn) die in Afrika südlich der Sahara weit verbreiteten Rundwürmer bekämpfen. Das Hauptziel besteht darin, das in der Tiermedizin gegen Darmwürmer erfolgreich eingesetzte Breitbandmittel Oxfendaxol beim Menschen gegen Nematoden zu testen. „Wir erwarten, dass es pan-nematozid wirkt, weshalb wir die Tabletten deshalb parallel gegen alle vier Wurmspezies in Gabun, Kamerun, Tansania und der Demokratischen Republik Kongo testen“, erzählt Hübner. Der „Basket-Ansatz“ ermöglicht es, auch Patientinnen und Patienten einzuschließen, die von mehr als einem Parasiten besiedelt sind.
Prof. Dr. Marc Hübner
Universitätsklinikum Bonn
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Den afrikanischen Augenwurm bekämpfen
Schätzungen der WHO zufolge sind derzeit rund 20 Millionen Menschen mit dem Parasiten Loa loa infiziert. Trotz ihrer weiten Verbreitung ist die dadurch verursachte afrikanische Augenwurmkrankheit Loiasis nicht auf der Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten der WHO aufgeführt. In klinischen Studien untersuchen DZIF-Wissenschaftler:innen um Prof. Michael Ramharter gemeinsam mit Kolleg:innen des Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun – einer Afrikanischen Partner-Institution des DZIF – ob bestimmte Breitbandmedikamente gegen Fadenwürmer den Parasiten erfolgreich bekämpfen können.
Prof. Dr. Michael Ramharter
Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
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Bilharziose – die Tropenkrankheit mit der höchsten Krankheitslast
Die Bilharziose (Schistosomiasis) wird durch Würmer der Gattung Schistosoma verursacht, deren Larven sich in Süßwasserschnecken entwickeln. Beim Schwimmen oder Waten in verseuchtem Süßwasser können die Larven durch die Haut in den menschlichen Körper eindringen. Fast 240 Millionen Menschen sind infiziert. Damit ist die Bilharziose nach der Malaria die zweithäufigste Tropenkrankheit und die Erkrankung mit der höchsten Krankheitslast. Die Würmer können Organe wie die Leber schwer schädigen und die Fruchtbarkeit von Frauen beeinträchtigen. Forschende des DZIF um Dr. Daniela Fusco am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten entwickeln neue Therapien und Diagnostika zur Behandlung chronischer Formen der Bilharziose.
Dr. Daniela Fusco (Interviewsprache: Englisch)
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
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Entwicklung neuartiger Technologien zur Diagnostik der Bilharziose
Trotz bedeutender Fortschritte sind die Möglichkeiten zur Diagnostik und Therapie von Bilharziose nach wie vor begrenzt. Die derzeitigen Standardverfahren sind arbeitsintensiv und oft nicht sensitiv genug. Gerade in den Regionen mit der höchsten Krankheitslast, die über nur wenige Ressourcen verfügen, sind die in Ländern mit hohem Einkommen eingesetzten moderneren und sensitiveren Verfahren noch zu teuer und aufwendig. Prof. Clarissa Prazeres da Costa von der Technischen Universität München (TUM) leitet Forschungen zur benutzeradaptierten Anwendung neuartiger Technologien, um die Diagnostik der Bilharziose zu verbessern. In Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft (Ludwig-Maximilians-Universität München, Imperial College London) sowie mit den Afrikanischen Partner-Institutionen des DZIF entwickelt und validiert ihr Team hochsensible, feldtaugliche Diagnosetests, die speziell auf den Einsatz in ressourcenarmen Umgebungen zugeschnitten sind. Dabei sollen auch neuartige Technologien wie die sogenannte Long-Read-Sequenziermethode einbezogen werden, um eine innovative, sequenzbasierte Diagnostik-Entwicklungsplattform zu schaffen. Auf diese Weise trägt die Arbeit zum Aufbau lokaler Fachkompetenz bei und stärkt die Bemühungen des DZIF, die Diagnose und Behandlung vernachlässigter Krankheiten wie Bilharziose zu verbessern.
Prof. Dr. Clarissa Prazeres da Costa
Technische Universität München
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Schistosomiasis: ein Parasit kommt selten allein
Am Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie des Universitätsklinikums Tübingen forschen DZIF-Wissenschaftler:innen intensiv zu Filarien und Schistosomiasis, einer Erkrankung, die oft mit einer Infektion durch weitere Parasiten einhergeht. Die Forschenden arbeiten an der Verbesserung und Entwicklung von Diagnostik und Therapie für Neuinfektionen mit juvenilen Schistosomen, einem frühen Entwicklungsstadium der Würmer, und erforschen chronische Infektionen mit innovativen immunologischen Methoden.
Dr. Dr. Carsten Köhler
Universitätsklinikum Tübingen
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Mehr über den DZIF-Forschungsbereich Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten, den Forschungsschwerpunkt „Vernachlässigte Tropenkrankheiten“ und die Afrikanischen Partner-Institutionen des DZIF erfahren Sie hier: