Projekt

Antibiotic Stewardship und Infektionskontrolle in Krankenhäusern

Kurzbeschreibung

In den letzten Jahren wurde weltweit eine Zunahme von Clostridium difficile- (C. difficile) assoziierten Infektionen, sowie von Infektionen durch Vancomycin-resistente Enterokokken und multiresistenten gramnegativen Bakterien (MRGN) beobachtet. Infektionen durch diese Pathogene stellen eine unmittelbare Bedrohung für Krankenhauspatienten dar, da eingeschränkte Therapieoptionen zu schlechteren Behandlungsergebnissen und längerer Krankheitsdauer führen können. Im Rahmen dieser Studie werden intensivierte Infektionskontroll- und Antibiotic Stewardship-Maßnahmen untersucht, die das Auftreten von Infektionen durch C. difficile, VRE und anderen MRGN verringern sollen.

Im Rahmen dieser Studie wird evaluiert, inwieweit intensivierte Infektionskontroll- (IC) und Antibiotic-Stewardship- (ABS) Maßnahmen die Häufigkeit von Clostridium difficile-assoziierten Infektionen (CDI) und Infektionen durch andere multiresistente gramnegative Erreger reduzieren können.

Die IC- und ABS-Maßnahmen werden im Rahmen der Studie in verschiedenen Fachabteilungen implementiert und die CDI-Inzidenz als primärer Endpunkt zur Beurteilung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen definiert. Die Studienhypothese ist, dass IC- und ABS-Maßnahmen, die zu einer Verringerung der Infektionen durch C. difficile führen, analog auch Infektionen durch andere nosokomiale Erreger, wie Cephalosporin-resistente Enterobakterien der dritten Generation (3GCREB) sowie Vancomycin-resistente Enterokokken verringern. Bei der Auswahl der Abteilungen liegt ein besonderes Interesse auf hämatologisch-onkologischen Stationen sowie auf Stationen, die eine überdurchschnittlich hohe CDI-Rate aufweisen. Die Identifizierung dieser Stationen erfolgt anhand des MDRO-Netzwerkes (R-Net) des DZIF. Da der Einsatz und die Effektivität etablierter IC- und ABS-Maßnahmen bisher kaum für Hochrisiko Patientengruppen untersucht wurden, können die Ergebnisse dieser Studie einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der klinischen Versorgung dieser Patientengruppe leisten.

Im Verlauf der Studie werden auf den ausgewählten Interventionsabteilungen zunächst intensivierte Infektionskontroll-Maßnahmen etabliert, welche die regelmäßige Erfassung des Desinfektionsmittelverbrauchs, der Händehygiene-Compliance und die Durchführung von Umgebungsuntersuchungen beinhalten. Im Rahmen der zeitversetzt implementierten ABS-Maßnahmen erfolgt eine Erfassung des Antibiotikaverbrauchs, regelmäßige Analysen der Antibiotikaverordnungen sowie die gezielte Entwicklung und Bereitstellung von Lehrmaterial zum verbesserten und gezielten Antibiotikaeinsatz. Zentrales Element der IC- und ABS-Maßnahmen sind regelmäßig stattfindende Teammeetings, bei denen Ärzte, Pflege- und Reinigungspersonal gemeinsam mit dem Studienteam die aktuellen Studienergebnisse diskutieren und nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen.

Die IC- und ABS-Maßnahmen werden im Verlauf der Studie neben der Analyse ihrer Effektivität auch bezüglich ihrer Kosteneffizienz beurteilt. Die Ergebnisse der Studie werden dazu beitragen, umfassende Empfehlungen zur Prävention von Clostridium difficile-assoziierten Infektionen und Infektionen durch andere nosokomiale Erreger zu entwickeln und die in Deutschland geltenden Richtlinien zur Infektionskontrolle zu verbessern. Dabei ist durch das multizentrische Studiendesign mit Berücksichtigung unterschiedlicher struktureller und personeller Voraussetzungen an den Standorten eine gute Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Krankenhäuser gewährleistet.