Projekt

R-Net SHIELD: Gesundheitsdatenbasierte Identifizierung und Bewertung von Risikofaktoren zur Vorhersage langfristiger Besiedlungen und Infektionen mit MDRO

Kurzbeschreibung

Die vorangegangenen R-Net-Projekte (R-Net 1.0 und 2.0) lieferten als Querschnittsstudien wichtige Erkenntnisse zur Prävalenz multiresistenter Erreger (MRE; engl. multidrug-resistant organisms, MDRO). Die zeitliche Entwicklung einer Besiedlung sowie die Faktoren, die deren Erwerb, Persistenz und Übertragung beeinflussen, sind bislang jedoch nur unzureichend verstanden. Die dritte Projektphase, R-Net SHIELD, schließt diese Wissenslücke durch die Untersuchung von Besiedlungsverläufen über einen längeren Zeitraum. Im Mittelpunkt stehen die Dynamik der MRE-Besiedlung und die Identifikation relevanter Einflussfaktoren entlang der Versorgungskette, insbesondere an den Schnittstellen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Durch wiederholte Datenerhebungen und mikrobiologische Probensammlungen werden individuelle Verläufe erfasst, um Risikofaktoren für eine langfristige Besiedlung und daraus resultierende Infektionen besser zu verstehen und künftig gezielter vorhersagen zu können.

Multiresistente Erreger (MRE; engl. multidrug-resistant organisms, MDRO) stellen weiterhin eine große Herausforderung für das Gesundheitswesen dar. Eine langfristige Besiedlung begünstigt nicht nur die Verbreitung dieser Erreger, sondern erhöht auch das Risiko schwerer Infektionen – insbesondere bei vulnerablen Patientengruppen im Krankenhaus. Bisherige Überwachungsprogramme basieren jedoch überwiegend auf Querschnittsdaten und liefern nur begrenzte Erkenntnisse darüber, wie sich Besiedlung, Persistenz und Infektionsrisiken im Zeitverlauf entwickeln.

R-Net SHIELD erweitert die etablierte R-Net-Plattform um eine longitudinale Kohortenstudie und schließt damit eine wichtige Wissenslücke. Patientinnen und Patienten werden bis zu zwölf Monate nach ihrer Krankenhausentlassung begleitet. Durch wiederholte Probenentnahmen und eine strukturierte Erfassung klinischer und epidemiologischer Daten werden individuelle Besiedlungsverläufe sowie Risikofaktoren für Erwerb, Persistenz und Infektionen mit multiresistenten Erregern untersucht.

Hierfür werden mikrobiologische, genomische und klinische Daten aus sechs Universitätskliniken in Deutschland zusammengeführt. Neben den etablierten Zielerregern der MDRO-Überwachung werden auch neu aufkommende Bedrohungen wie Candida auris und Linezolid-resistente Enterokokken berücksichtigt. Moderne Verfahren wie das Whole-Genome-Sequencing sowie die Analyse zellfreier mikrobieller DNA ermöglichen detaillierte Einblicke in Resistenzentwicklung, Übertragungswege und die Dynamik von Besiedlungen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung von Heteroresistenz – einer Form versteckter Resistenz, die mit diagnostischen Standardverfahren häufig schwer zu erkennen ist. Ziel ist es, Marker zu identifizieren, die auf ein erhöhtes Risiko für Therapieversagen hinweisen. Ergänzt wird der Ansatz durch eine digitale, browserbasierte Plattform, die die Datenerfassung, die Patientenbetreuung und die dezentrale Probenentnahme auch außerhalb des Krankenhauses unterstützt.

Schematische Übersicht des Studiendesigns von R-Net SHIELD.

© DZIF

Durch die Kombination von Längsschnittdaten mit translationalen Forschungsansätzen schafft R-Net SHIELD eine einzigartige Kohortenplattform. Diese Infrastruktur wird unser Verständnis von antimikrobieller Resistenz verbessern und als Grundlage für zukünftige interventionelle Studien sowie die Entwicklung gezielter Präventions- und Behandlungsstrategien dienen.